Foerderer

Kontakt

Redaktions-Koordination
Tel.: +49 (0)38423 629566
service[at]lexikus.de

oder Liste aller Redakteure

Eine tollkühne Singdrossel
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 28. Mai 2010 um 10:14 Uhr

Die Singdrossel, ein Singvogel  der Heimat Die Singdrossel, ein Singvogel der Heimat

Ornithologische Notiz

Im Band VIII. der Abhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen aus dem Jahre 1884 berichtet der Ornithologe und Direktor des Großherzoglichen Naturhistorischen Museums zu Oldenburg Carl Friedrich Wiepken* (1815-1897) vom außergewöhnlichen Verhalten einer Singdrossel.

Im Juli 1881 kam der Hofmarschall v. H. zu mir und teilte mir mit, dass in seinem Garten eine Singdrossel sei, die jedesmal seinen Hund (eine Art Rattenfänger) tatsächlich angreife, sobald er sich seinem Sitze, welcher sich unter einer dichtbelaubten Linde befinde, nähere.


Ihr Angriff sei so wütend, dass sie ihm auf die Hände und Beine flöge, wenn er dem Hunde die Schnauze zuhielte, damit er den kühnen Angreifer nicht verletzte; aber trotzdem sei es dem Hunde in einem unbewachten Augenblicke gelungen, nach der Drossel zu schnappen und sie am Beine blutig zu verwunden.

Als ich mir nach dieser Erzählung eine scherzhafte Bemerkung erlaubte, lud Herr v. H. mich ein, ihn zu besuchen, um mich von der Wahrheit des eben Erzählten durch eigene Anschauung zu überzeugen. Höchst gespannt ging ich noch am selben Tage Nachmittags gegen sechs Uhr zum Hofmarschall, der mich denn auch sofort in Begleitung seines Hundes in den Garten führte.

Sobald wir uns dem Sitze näherten, flog die Drossel auf die Banklehne, breitete Flügel und Schwanz aus und machte Lufthiebe mit dem Schnabel. Als wir uns nun auf die Bank setzten, flog sie zur Erde und näherte sich mit ausgebreitetem Schwanze und hängenden Flügeln auf circa 2 Fuß dem Hunde, immer wütende Lufthiebe vollführend. Der Hund schien ängstlich und rührte sich nicht. Als jedoch Herr v. H denselben mit dem Fuße etwas vorschob, stürzte die Drossel mit blinder Wut auf den Kopf des Hundes, ihm tüchtige Schnabelhiebe versetzend, und als v. H. nach der Schnauze des Hundes griff, wobei sein Arm teilweise den Kopf desselben deckte, flog sie bald auf den Arm und bald auf den Kopf, letzteren fortwährend mit dem Schnabel bearbeitend.

Dieser Angriff wiederholte sich, sobald der Hund sich rührte. Die Drossel hatte wahrscheinlich im dichten Gesträuch des anliegenden Gartens Junge. Sie ist glücklich mit denselben weggezogen, aber leider diesen Sommer nicht wieder gekommen und wahrscheinlich im vergangenen Herbst der Schlinge verfallen.


*) Carl Friedrich Wiepken (1815-1897) deutscher Ornithologe, Direktor des Großherzoglichen Naturhistorischen Museums zu Oldenburg.

 

 

Bookmarks
 Misterwong Linkarena Delicious Technorati Yahoo_myweb Google_bmarks 

Beitragsreihe

 

Prof. SchulzMuseumsführer durch Mecklenburg-Vorpommern von Prof. Dr. Horst D. Schulz.

 

Erkan GrantlhuberErkan Grantlhuber - Ein bayrischer Kolumnist für M-V


 

Benjamin RosendahlRosendahlia - eine deutsch-jüdische Familienchronik. Von Benjamin Rosendahl.

 

Anzeige
Volltextbibliothek Lexikus










Online-Magazin Mein Mecklenburg-Vorpommern