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Großes Wiesel im Kampf mit einem Hamster
Wir verdanken dem passionierten Heimatkundler Gustav Clodius (1866-1944) aus Camin einen interessanten Beitrag im Vereinsblatt der Freunde der Naturgeschichte Mecklenburgs über eine Hamsterplage im Jahre 1902.
Im Laufe des Sommers 1902 las man mehrmals in mecklenburgischen Zeitungen, dass in Mecklenburg-Strelitz die Hamster in diesem Jahre sehr stark auftreten, es wurde auf ihre Schädlichkeit hingewiesen, sowie zu eifriger Vertilgung aufgefordert.
Den meisten Kennern unserer Nagetiere ging es wohl wie mir, sie hielten wie ich diese vermeintlichen Hamster für die allgemein häufigen Wühl-, Erd- oder Wasserratten (Arvicola amphibius), die unser Volk durchgehends Hamster nennt. Denn der wirkliche Hamster (Cricetus frumentarius) war bisher als ein recht seltenes Tier ausschließlich im nordöstlichen Mecklenburg-Strelitz festgestellt. Struck hat zusammengetragen, was man bisher über ihn wusste: Im Archiv 30 (1876) p. 66 f und 42 (1888) p. 103 f stellt er fest, dass der Hamster unzweifelhaft südöstlich von Friedland (auf den Feldern von Lübbersdorf, Golm und Hohenstein) seit alten Zeiten mehr oder minder häufig, immerhin in beschränkter Zahl vorkommt; wahrscheinlich ist er auch westlich von Neubrandenburg bei Weitin gefunden. Alles Übrige ist unsicher.
Ich wandte mich daher um Aufklärung an Herrn Lehrer Steussloff in Neubrandenburg und erhielt die Nachricht, dass es sich tatsächlich um den Hamster handelt; der zeige sich 1901 und 1902 in großer Zahl auf den alt bekannten Feldmarken südöstlich von Friedland, aber auch weiter südlich und südwestlich (so Kuhblank, woher er mehrere Stücke habe) und scheine in dieser Richtung vorzudringen. Auf meine Bitte an den genannten Herrn, mir womöglich einige Tiere zu verschaffen, erhielt ich am 17. Oktober von Herrn Domänenpächter Hampe in Badresch b. Oertzenhof 2 frisch getötete Hamster, die noch nicht ganz ausgewachsen waren. Wichtig ist der Bericht, den Herr Hampe beigefügt hatte, ich gebe ihn im Folgenden unverkürzt wieder:
„Seit 1869 hier am Ort wohnhaft, beobachtete ich im Jahr 1874 oder 1875 auf hiesiger Feldmark zuerst die Hamster-Einwanderung, aber in sehr vereinzelten Fällen, ja ich möchte sagen, dass bis 1895 hier dieselben fast spurlos verschwunden waren. Von 1897 ab trat die Einwanderung wieder mehr in Erscheinung, ich möchte sagen, sich fast deckend mit Einführung des größeren Zuckerrübenbaues und der damit verbundenen intensiveren Kultur des Ackers und des Tiefpflügens in hiesiger Gegend. Im Jahr 1898 und 1899 traten die Hamster so massenhaft in meiner Feldmark auf, dass ich Fangprämien gab, und es wurden von den größeren Schulknaben gegen 700 Stück innerhalb 4 Wochen abgeliefert, die sich besonders in den Weizenfeldern sowie im Hafer, Erbsen und Zuckerrüben angesiedelt hatten. Dieser Umstand veranlasste mich, die Sache im landwirtschaftlichen Verein zur Besprechung zu bringen und diese m meine Anregung führte zu der Verordnung, betreffend die Hamsterplage. Denn es traten in der ganzen Umgegend des Helpter Berges, d. i. die Umgegend von Woldegk bis Friedland und nach Strassburg i. U., weiter, wie ich hörte, auf dem sogenannten Friedländer Werder, also in der Gegend des besseren Bodens, besonders dort, wo Tiefkultur und Rübenbau Platz gegriffen haben, die Hamster auf.
Im Jahr 1901 waren die Hamster wieder sehr stark vermindert, traten aber in diesem Jahre (1902) hier bei mir wie in der Umgebung wieder sehr stark auf, so dass ich Herrn Ökonomierat Schultz, als Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Hauptvereins unseres Strelitzer Landes bat, durch Zeitungsinserate auf die Hamsterplage und die gegen oder für dieselbe erlassene Verordnung aufs neue aufmerksam zu machen.
Ich hatte in jüngeren Jahren, als ich als Inspektor in der Neuruppiner Gegend tätig war, auf einem Gute Treskow, woselbst Zuckerrübenbau getrieben wurde, d. i. in den Jahren 1862-1865 Gelegenheit, die Hamster kennen zu lernen, ebenso später 1868 in der Halberstädter Gegend und richtete deshalb mein Bestreben darauf, vorbeugend zu wirken; leider muss ich sagen, dass nicht überall mit der nötigen Energie und Ausdauer vorgegangen wird.“
Zu Vorstehendem bemerke ich, dass, wenn, wie Herr Hampe nachweist, der Hamster bald ganz selten und dann wieder in großer Menge auftritt, man nicht an eine jedesmalige Einwanderung zu denken hat; sondern es ist beim Hamster gerade wie bei anderen Nagern, der Feldmaus, den Waldmäusen, sogar dem Eichhörnchen; in dem einen Jahre sind sie ganz vereinzelt, im nächsten Sommer und Herbst aber zeigen sie sich in maßlosen Massen, so erleben wir's leider oft mit der Feldmaus; so war es noch im Herbst 1901 mit dem Eichhörnchen, man konnte sich nicht vor ihnen bergen, und ich weiß, dass in einzelnen Gärten 20 — 30 Stück geschossen sind. Man denkt zuerst gewöhnlich an eine Einwanderung, überlegt aber nicht, dass die Tiere wo anders her auch nicht gekommen sein können, denn im Jahr vorher zeigte sich weit und breit im ganzen Lande keine abnorm große Zahl, in diesem aber treten sie überall so häufig auf.
Die Sache liegt einfach so: ein günstiger Sommer und Herbst lässt die in normaler Zahl vorhandenen Tiere wohlgenährt und mit guten Vorräten, z. B. Eichhörnchen, in den Winter gehen, ein guter Winter dezimiert die Zahl weniger als sonst, ein gutes Frühjahr lässt dann die enorme Fruchtbarkeit der Nager zur vollen Geltung kommen und im Herbst, wenn es kahl wird, zeigen sich dann die im Sommer weniger sichtbaren Tiere in ihrer unheimlichen Anzahl. Treffen solche günstigen Umstände, womöglich gar 2 Jahre hintereinander, ein, so ist die ganz einfache Ursache des gewaltigen Auftretens offenkundig.
Gerade so beim Hamster. Auch in Mitteldeutschland, wo er eine große Plage ist, wechseln Jahre starker Vermehrung mit solchen geringen Auftretens, so schwankt z. B. die Zahl der auf der Stadtflur von Gotha in den Jahren 1817 — 1828 getöteten und bezahlten Hamster zwischen 111.817 und 5.429. Aus Archiv 42 (1888) geht nun, wie gesagt, hervor, dass seit alten Zeiten, mindestens seit 1840, südöstlich von Friedland Hamster heimisch waren, Herrn Hampes Brief zeigt, dass dort seit 1874 zuerst Hamster von ihm bemerkt sind, entweder lebten sie auch hier schon seit alter Zeit einzeln (was mir wahrscheinlich ist) oder sie hatten sich allmählich von einer Feldmark zur anderen südlich ausgebreitet, seitdem kann von einer größeren Einwanderung jedenfalls keine Rede sein, sondern es tat die natürliche Vermehrungskraft zusammen mit günstigen Umständen das ihrige. Es steht also fest, dass die Gegend zwischen Friedland, Woldegk und der preußischen Grenze zur Zeit als ein Hamstergebiet anzusehen ist, in dem sich auch dieser Nager zeitweilig bedrohlich vermehren kann; ob sich schließlich noch andere Feldmarken finden, in denen das Tier schon seit langem einzeln gelebt hat, und ob der Hamster sich allmählich noch weiter nach Süd und West ausbreitet, wird die Zukunft lehren. Es wäre für die Mecklenburg-Strelitzer Naturkundigen eine dankbare Aufgabe, einmal genau zu erforschen, wie weit zu einer bestimmten Zeit sich in Strelitz Hamster nachweisen lassen, und wie weit dieselben im benachbarten Preußen vorkommen, um so zu erfahren, ob dort ein großes zusammenhängendes Hamstergebiet ist, oder ob das Tier doch nur auf einem beschränkten Gebiete sich dort findet. Ebenso interessant wäre es, wenn nun auch auf den angrenzenden Feldern von Mecklenburg-Schwerin Hamster gefunden würden, was ich für durchaus wahrscheinlich halte.
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