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Ornithologische Mitteilungen von Franz Schmidt – Wismar, aus dem Jahre 1879
Geschrieben von: Steffen Herbst   
Sonntag, den 14. Februar 2010 um 18:42 Uhr

Aquila fulva. Steinadler Aquila fulva. Steinadler

„Keine Tiergruppe genießt mehr Sympathie als die Vögel...“ Ganz engagierte Natur- und Vogelfreunde sind z.B. Mitglieder im BUND Mecklenburg-Vorpommern, der nicht nur einen „vogelfreundlichen“ Lebensstiel propagiert, sondern für umweltverträgliche Landwirtschaft und Mobilität, für natürliche Wälder und Auen einsteht und jeder Form von Umweltzerstörung den Kampf angesagt hat. Einer ihrer Hauptziel besteht z. B. in der Erhaltung der Artenvielfalt.

Um seltene Vögel geht es auch in den ornithologischen Mitteilungen von Franz Schmidt – Wismar aus dem Jahre 1879

 

1. Anser ruficollis. Rothhalsige Gans.

Ein Exemplar dieser schönen Meergans wurde am 6. Mai d. J. hinter Pöl von einem dortigen Bootfahrer auf der Ostsee geschossen. Dieselbe war dort zwischen den vielen Ringelgänsen, die auf ihrem Zuge nach Norden im Frühlinge sich gewöhnlich eine Zeitlang hier aufhalten, seit mehreren Tagen durch ihre abweichende Farbe und ihre eigentümliche Stimme aufgefallen, vergeblich verfolgt, endlich aber doch erlegt worden. Das recht schöne, wahrscheinlich männliche Exemplar wurde mir am folgenden Tage zwar zu Kauf gestellt, ist aber leider doch nicht in meinen Besitz gelangt, da der Schütze das Tier für den gebotenen ansehnlichen Preis nicht lassen wollte und damit auch nicht wieder kam.

Diese Gans ist in Mecklenburg sonst noch nicht beobachtet, wohl aber in Pommern (von Homeyer) und an den dänischen Küsten (Kjärbölling) einzeln geschossen worden. Da ihre Heimath der hohe Norden, besonders das nordwestliche Sibirien ist, so wird ihr Zug östlicher fallen, und hieraus ihre große Seltenheit im westlichen Europa erklärt.

2. Aquila fulva. Steinadler.

Wenn auch dieser stattliche Vogel in Mecklenburg schon mehrfach beobachtet ist, so gehört derselbe bei uns doch immer zu den seltenen Erscheinungen. Daher sei hier mitgeteilt, dass ein solcher im Januar d. J. auf dem nahen Gute Zierow vom Herrn Baron von Biel daselbst geschossen wurde. Der Adler hatte auf einem hohen Baum in einer der kleinen Baumgruppen, die das dortige Feld schmücken, seine Nachtruhe halten wollen, sich aber ohne besondere Mühe beschleichen lassen. Vielleicht war derselbe erst kürzlich von Norwegen oder Schweden zu uns herüber gekommen und daher noch wenig scheu und vorsichtig. Denn daher werden die einzelnen Steinadler und auch die hier viel häufigeren Meeradler zumeist stammen, welche zur Winterzeit bei uns umherstreifen. Das Exemplar ist ein recht großes, schönes ausgefiedertes Weibchen und wird ausgestopft im herrschaftlichem Hause zu Zierow aufbewahrt.

3. Emberiza (Plectrophanes) calcarata. Spornammer.

Ein Exemplar dieses Vogels sah ich in der Sammlung des Herrn Lehrers Cordes in Teterow und erfuhr dabei, dass derselbe in dortiger Gegend mit Schneeammern geschossen wurde, mit denen er bekanntlich seine hochnordische Heimath gemein hat und unter welchen er auch schon sonst auf seinem Zuge angetroffen worden ist. Hiermit haben wir also ein sicheres Beispiel vom Vorkommen dieser Vogelart in Mecklenburg. Vergl. Zander, syst. Übers. der Vögel Meckl. Arch. 1861, S. 90, No. 106.

4. Platalea leucorodia. Löffelreiher.

Seit meinem Berichte über das Erscheinen dieses stattlichen Vogels bei uns (Arch. 1875, S. 144) hat derselbe sich hier noch wiederholt gezeigt. Nach den Mitteilungen Pöler Schützen wurde von ihnen im Frühlinge des Jahres 1877 öfter und längere Zeit hindurch ein solcher Vogel an der Wohlenberger Bucht und am häufigsten auf dem Tarnewitzer Ort gesehen. In diesem Frühlinge hielten sich 2 Löffelreiher an der Nordostseite von Pol auf den dortigen Werdern und Halbinseln auf. Auch diesen ist viel nachgestellt, doch keiner erlegt worden.

5. Larus canus. Sturmmöve,

nistete in diesem Jahre in einigen Paaren auch auf der Südspitze der Halbinsel Wustrow — Kielort — . An der Westseite desselben umflogen mich daselbst, gegen Mitte des Juni, teils auch schreiend und mir oft sehr nahe kommend, 5 — 6 dieser Vögel. Sie hatten offenbar Junge und diese hielten sich in dem dort dichten Sandhafer verborgen, denn ich fand zwischen ihm Eierschalen dieser Vogelart, aus welchen Junge ausgekrochen waren.

Wismar, im Oct. 1879.

 

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