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Abb. 1 Meeresspiegel 1900 bis heuteAbb. 1: In den vergangenen 100 Jahren begann der Anstieg des Meeresspiegels und erreichte für das 20. Jahrhundert bereits einen Wert von fast 0,2 Meter.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Meeresspiegelanstieg

 

Wohlgemerkt, „Szenarien“ bedeutet hier nicht verschiedene Verbrauchs- oder Einspar-Szenarien an fossilen Brennstoffen und daraus folgende Freisetzung von CO2, sondern unterschiedliches, schwer vorherzusagendes Verhalten der verschiedenen Eisschilde in den Polkappen der Erde. Die Ursachen für diesen Anstieg des Meeresspiegels liegen bereits Jahrzehnte zurück, und niemand kann sie heute wieder ungeschehen machen.


Abb. 2 Meeresspiegel glazial bis heute.Abb. 2: Seit dem Maximum des letzten Glazials der Eiszeit ist der Meeresspiegel um 120 bis 130 Meter angestiegen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Meeresspiegelanstieg

 

Im Übrigen ist ein Rückgang der Freisetzung von CO2 an die Atmosphäre und ein weiteres Fortschreiten der globalen Erwärmung wohl auch kaum zu erwarten. Wer will denn all den großen Schwellenländern zukünftig das Autofahren, das Verbrennen von fossilen Brennstoffen verbieten und dieses Verbot auch noch durchsetzen – während wir munter weiterfahren? Wer will verhindern, dass arme Länder ihre Wälder abholzen, wenn es doch der Weg zu einem bescheidenen Wohlstand oder auch nur zum Überleben ist? Nein, ich glaube ganz bestimmt nicht, dass auf irgendeine Weise die Freisetzung von CO2, die globale Erwärmung und damit der Anstieg des Meeresspiegels aufgehalten werden kann.

Abb. 3 Forschungsschiff „Meteor“ im Südatlantik.Verschiedene Zeiten, verschiedene Meeresspiegel

Im erdgeschichtlichen Maßstab betrachtet sind Änderungen des Meeresspiegels um den einen oder anderen Meter ziemlich unbedeutend. Als vor etwa 20.000 Jahren zum Maximum der letzten Kaltzeit des jetzigen Eiszeitalters die skandinavischen Gletscher bis nach Norddeutschland reichten, da war so viel Wasser auf den Kontinenten gebunden, dass der globale Meeresspiegel um 120 bis 130 Meter tiefer lag als heute. Die gesamte Nordsee lag trocken, die gesamte Ostsee bestand aus einem riesigen Gletscher. Während der meisten Epochen der Erdgeschichte, außerhalb der begrenzten Eiszeitalter, gab es aber keine großen Eisschilde an den Polkappen, und der Meeresspiegel lag um etwa 60 Meter höher als heute. Die „Kölner Bucht“ war dann tatsächlich eine Meeresbucht – wenn auch ohne die Stadt Köln.


Abb. 4 Forschungsschiff Abb. 4: Forschungsschiff „Polarstern“ in der Antarktis.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Forschungsschiff

 

Meeresforschung, an der auch deutsche Institute und Wissenschaftler weltweit wesentlich mit den Forschungsschiffen „Polarstern“, „Meteor“ und „Maria S. Merian“ beteiligt sind, liefert dabei auch die notwendigen Daten für den Blick in die Vergangenheit. Dabei werden besonders die Sedimente am Ozeanboden untersucht, weil sie mit den in ihnen enthaltenen Substanzen, Mineralen und Mikrofossilien, mit ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften als „Klima-Archive“ die jeweilige Situation bei ihrer Ablagerung im Ozean abbilden. Ein Sedimentkern kann mit seiner Länge von 10 bis 20 Metern dabei leicht die Klima-Dokumente von paar hundert Jahrtausenden enthalten.

Abb. 5 Ein Sedimentkern wird an Bord der „Meteor“ gebracht.Vom Tiefstand des Meeres (-120 bis -130 Meter) vor etwa 20.000 Jahren bis zum Erreichen des heutigen Meeresspiegels vor etwa 6.000 Jahren verlief der Anstieg meist ebenfalls mit etwa einem Meter pro Jahrhundert. Bei bestimmten Schmelzwasser-Ereignissen wurde jedoch auch ein deutlich schnellerer Anstieg festgestellt. Der noch in diesem Jahrhundert zu erwartende Anstieg des Meeresspiegels von etwa 1 Meter ist also eigentlich überhaupt nicht ungewöhnlich.

Was müssen wir tun?

Man könnte angesichts der unausweichlich zu erwartenden Abb. 6 Ein 23 Meter langer Sedimentkern an Bord der „Meteor“Erwärmung des Klimas und des damit verbundenen Anstiegs des Meeresspiegels in eine gewissen Lethargie verfallen nach dem Motto: „Es nützt ja doch alles nichts, also machen wir einfach so weiter…“ Aber das Gegenteil ist richtig. Wir müssen jetzt aufhören auf irgendwelche „Experten“ zu hören, die uns glauben machen wollen, es sei noch 5 vor 12 und wir könnten mit irgendwelchen Maßnahmen den Klimawandel und den Meeresspiegelanstieg noch aufhalten. Wir müssen uns vielmehr spätestens jetzt darauf einstellen, dass dieser Anstieg kommen wird. Wir müssen darüber nachdenken, welche Gebiete an den Küsten – auch in Mecklenburg-Vorpommern – mit welchem Aufwand und welchen Maßnahmen gesichert und welche Gebiete aufgegeben werden – auch wenn es in manchen Fällen schade darum sein wird.

 

Abb. 6 Ein 23 Meter langer Sedimentkern an Bord der „Meteor“

 

Abb. 7 Alte Fischerhäuser hinter der Uferschutzmauer in Warnemünde.Abb. 7 Alte Fischerhäuser hinter der Uferschutzmauer in Warnemünde.

 

In Warnemünde macht man sich gerade Gedanken, ob eine Ufermauer gegen das Hochwasser um 45 cm erhöht werden soll oder nicht, ob die dahinter liegenden hübschen Fischerhäuser dann noch den schönen Blick aufs Wasser haben oder nicht. Selbstverständlich kann man Deiche und Schutzmauern immer höher bauen. In Holland leben seit langer Zeit Menschen mehrere Meter unter dem Meeresspiegel. Aber will man das? Hübsche kleine Fischerhäuser im Jahre 2300 auf Kosten der Allgemeinheit hinter einer 2,5 bis 5 Meter hohen Mauer?

 

Natürlich müssen wir auch weiter und mehr als bisher fossile Brennstoffe einsparen – vor allem deshalb, weil sie viel zu schade sind zum Verbrennen. Und wir werden im Übergang zur ausschließlichen Verwendung von erneuerbaren Energien alles brauchen, was Energie ohne CO2 liefert. Dazu gehört auch die Kernenergie, selbst wenn der Umgang damit erhebliche Risiken birgt, vor denen wir zu Recht Angst haben. Ich denke, die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas wird aber trotzdem erst aufhören, wenn diese Rohstoffe aufgebraucht, bzw. gegen Ende der Vorräte zu teuer geworden sind und ihre Verwendung nicht mehr bezahlbar ist. Aber spätestens bis dahin muss es gelungen sein, ganz auf erneuerbare Energie umzusteigen. Und dabei werden wir alles brauchen, was irgendwie verfügbar ist: Die Energie der Sonne dort, wo sie scheint, die Energie des Windes dort, wo er weht, und die Erdwärme, und die Wasserkraft und noch manches andere mehr.

Zum Autor: http://www.geochemie.uni-bremen.de/mitarbeiter/horst-d-schulz.html

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