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Die Bildung, d. h. die Nährung des Geistes durch
Gedanken, die wir aus den Ereignissen und Werken der Vergangenheit und
Gegenwart der Menschheit schöpfen,
bewirkt nämlich notwendig ein immer weiteres
Zurückdrängen der Schranken, welche unserer Willensfreiheit gesetzt sind,
verlängert die Schnur, durch welche wir an die Verhältnisse gebunden sind. Das
Denken über Geschehenes und Werdendes macht uns freier, und die Freiheit
vervielfältigt unsere Lebensäußerungen. Freiheit und Geschichte erziehen und
bedingen daher einander wechselweise, und je freier die Geschöpfe sind, d. h.
je mehr sie denken, desto eher haben sie eine Geschichte. Aus: Die Kulturgeschichte im Lichte des
Fortschritts. 1869. Von Henne, Otto am Rhyn (1828-1914) schweizer Historiker,
Lehrer, Archivar, Redakteur und Autor (damals viel gelesener
kulturgeschichtlicher Werke) |