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Der Lachsfang bei Wismar im Jahre 1758

J. D. Denso führt in seiner physikalischen Bibliothek, welche er als Rektor in Wismar (in den Jahren 1734 bis 1761, 2 Bände) herausgab, folgende Tatsache an, um die damals noch streitige Frage zu entscheiden: ob auch die Fische Gehör besäßen?


„Es geschah vor zwei Jahren (1758) dass wir hierselbst, in Wismar, den Lachs in ungewöhnlicher Menge fingen. Es ist dieser hierselbst sonst selten, und nur dann und wann findet sich ein und der andere kleine, welchen man als eine Seltenheit zu Tische bringt. Es ist dies auch ganz natürlich. Denn hier findet der Lachs bis dicht an die Stadtmauern sein süßes Wasser, und auch alsdann keinen Strom, in welchen er hinaufsteigen könnte. Es musste daher eine Ursache vorhanden sein, welche ihn von einem anderen Orte weggetrieben, und zu uns gebracht hatte; denn er ward täglich und in außerordentlicher Menge gefangen, und fiel zu einem ungemein wohlfeilen Preis. Nun findet sich der Lachs an den pommerschen Küsten hier und dort gar reichlich. In Hinterpommern bei Stolpe und Cöslin, auch in Vorpommern bei Stralsund, wird er jährlich ziemlich häufig gefischt. Diese Örter musste er zu verlassen, und zu uns zu flüchten gezwungen sein.“


„Können wir diesen Zwang ausfindig machen? Ich denke gar leichtlich. Das russische Geschütz bei Kolberg, in der Nachbarschaft von Cöslin, ebenso auch das Kriegsgetümmel bei Stralsund, Greifswald, Wolgast, und der Orten herum, hat ihn vertrieben. Wir konnten auch füglich wahrnehmen, dass derselbe alle Eigenschaften armseliger Vertriebener an sich hatte. Er war mager, und hatte weder die Fettigkeit, noch den guten Geschmack, noch das zarte Fleisch, welche ihm einen so hohen Rang unter den Fischen geben, wenn er in Ruhe beisammen bleiben, oder in die Flüsse und zu den süßen Wassern hinaufstreichen kann. Dass er auch nur gezwungen hierhergekommen war, zeigte seine baldige Entfernung. Er ist auch in solcher Menge nicht wieder gekommen, und man darf wohl nicht wünschen, dass der schreckliche Schall des Krieges noch länger die Natur erschüttere, sonst wurde es leichtlich zu bemerken stehen, ob er nicht aus gleichen Bewegungsgründen aufs neue einen ihm sonst ungewöhnlichen Zufluchtsort suchen dürfte.“


Wie steht es jetzt mit dem Lachsfang bei Wismar?


Aus: Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, Band 6, herausgegeben von Ernst Boll, 1852



 
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