Kontakt

Redaktions-Koordination
Tel.: +49 (0)38423 629566
service[at]lexikus.de

oder Liste aller Redakteure

Handel und Wandel in Pommern - 24. Juli 1852
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, den 08. März 2011 um 15:00 Uhr

Stettin Am Hafen Stettin Am Hafen

Aus: Deutsches Museum. Zeitschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben. Robert Prutz, Hermann Rost. Zweiter Jahrgang 1852. Juli - Dezember

Versprechen macht Schulden und so bin auch ich Ihnen den schon zu Weihnacht versprochenen Bericht bis jetzt schuldig geblieben. Doch habe ich es aus guten Gründen getan. Auch in unserer Provinz war der letztverwichene Winter im Ganzen genommen so traurig, der materielle Notstand so groß, die moralische Entmutigung so allgemein, dass Einem nicht nur die Fest- und Weihnachtsgedanken überhaupt vergingen, sondern dass es mir auch nicht wohlgetan schien, jene Flut müßiger und ohnmächtiger Klagen, die damals schon von allen Ecken und Enden her ertönten, durch die meinigen noch zu vermehren. Jetzt nun prangen die Felder im köstlichsten Sommerschmuck, ja die Ernte hat, was in unserer Gegend beinahe unerhört ist, an den meisten Orten schon begonnen: und wenn auch einige Fruchtgattungen durch die große Trockenheit der letzten Wochen ein wenig gelitten haben mögen, so verspricht sie doch im Ganzen eine recht gesegnete und reichliche zu werden.


Aber glauben Sie, dass wir nun damit zufrieden sind? Im Gegenteil: dieser goldene Segen, der jetzt auf den hochgetürmten Erntewagen dahin schwankt, hat schon manchen stillen Kummer und manche schlaflose Nacht veranlasst. Der gemeine Mann allerdings, der Tagelöhner und kleine Handwerker, freut sich des Segens, wiewohl er gerade derjenige ist, an den am Wenigsten davon kommt. Denn bei uns wie anderwärts ist durch die tausend und aber tausend kleinen Brandschatzungen des Zwischenhandels dafür gesorgt, dass das Brod, wenn es einmal in teuren Zeiten klein geworden, auch in billigen nicht wieder größer wird. Die Kartoffel aber, auf welche die ärmere Bevölkerung auch bei uns als auf ihre Hauptnahrung angewiesen ist, droht in Folge des ungewöhnlichen Regenmangels zu verkümmern: so dass also in dieser Hinsicht die Aussichten in die Zukunft nicht gerade die besten sind.

Allein auch der Segen der Getreideernte macht unseren Landwirten sowie unseren Kaufleuten, also denjenigen beiden Klassen, an deren Tätigkeit und Wohlstand die Existenz der übrigen geknüpft ist, mehr Kummer als Freude. Auch in dieser Hinsicht ist es bei uns wie überall: der Landwirt befindet sich bei hohen Getreidepreisen besser wie bei niedrigen und die letzten Jahre haben ihn in diesem Punkte verwöhnt. Der kleine Bauer, nach dem ewigen Gesetz der Anziehungskraft, wo nur Geld zu Geld, Reichtum zu Reichtum fließt, hat freilich nicht viel davon gehabt, die großen Ökonomen dagegen haben bei uns in den letzten Jahren ganz außerordentlich gewonnen und demgemäss auch ihr häusliches Budget ganz außerordentlich erweitert. Wenn der pommersche Landwirt einmal anfängt Luxus zu treiben, so ist es auch immer gleich ein sehr massiver, sehr kostspieliger Luxus; ja er selbst schätzt seine Vergnügungen in der Regel nur nach dem, was sie Ihn kosten. Da sind die sauren Gesichter, mit denen unsere Herren Ökonomen ihren diesjährigen embarras de richesse betrachten, denn freilich zu erklären.

Stettin Dampfschiffsbollwerk Stettin Dampfschiffsbollwerk

Und noch weit erklärlicher sind sie bei unseren Kaufleuten. Die veränderte Korngesetzgebung Englands hat dem Getreidehandel unserer Provinz überhaupt einen Stoß gegeben, von dem derselbe sich schwerlich jemals wieder erholen wird. Seit es nicht mehr darauf ankommt die augenblickliche Konjunktur der englischen Getreidepreise so rasch wie möglich zu benutzen, mit andern Worten, seitdem es nicht mehr darauf ankommt, wer bei einer in England entstehenden Konjunktur der Erste auf dem Platze ist, sind die Vorteile unserer geographischen Lage völlig aufgehoben und nur die Nachteile derselben, namentlich die kostspielige und gefahrvolle Fahrt durch den Sund, verbunden mit den Nachteilen unserer politischen Lage, wohin ich vor Allem den berüchtigten Sundzoll sowie überhaupt die Recht- und Schutzlosigkeit der deutschen Schifffahrt rechne, sind uns übrig geblieben. Ich berufe mich in dieser Hinsicht auf dasjenige, was ich Ihnen schon vorm Jahre über die allgemeine Lage des pommerschen Handels mitgeteilt. Es ist allemal ein Unglück, wenn der Handel einer Provinz, durch politische Konstellationen abgeschnitten von denjenigen Gegenden, die seine natürliche Absatzquelle bilden sollten, sich genötigt sieht neue und künstliche Absatzwege aufzusuchen. In dieser Lage befand sich der pommersche und namentlich der Stettiner Handel, welche letzterer für die ganze Provinz entscheidend ist, schon vor Jahren. Der natürliche Schauplatz unserer merkantilen Tätigkeit wären die Ostseeküsten mit ihren Hinterländern gewesen, also namentlich Russland, Polen, Skandinavien. Russland und Polen sind uns, Dank dem nordischen Freundschaftsbündnis, versperrt. Die skandinavischen Länder aber sind arm, ihre Einfuhr ist überhaupt verhältnismäßig gering; was sie ja noch bedürfen, das haben sie sich seit Jahrhunderten gewöhnt teils und hauptsächlich aus England, teils durch Vermittlung von Hamburg zu beziehen. Das Eine aber wie das Andere sind Konkurrenten, denen unser pommerscher Handel nicht gewachsen ist, an Kapital so wenig wie an Unternehmungsgeist und kaufmännischer Einsicht. Bis zum Jahre 1847 waren wir so glücklich — oder vielleicht müssen wir nach den jetzigen Erfahrungen auch sagen, so unglücklich — uns allerhand künstliche und unnatürliche Absatzwege nach Mitteldeutschland, nach der Mark, nach Sachsen, Schlesien etc. zu eröffnen. Der dänische Krieg im Jahr 1848 und neunundvierzig, der unsere Ostseehäfen hermetisch sperrte, während die Blockade der Nordseehäfen nie recht ernstlich gemeint war, gaben diesen Verbindungen den ersten Stoß; den zweiten gab ihnen die Vollendung der Eisenbahnen von Hamburg ins Innere Deutschlands, wodurch unsere — kostspielige und zeitraubende — Vermittlung überflüssig ward. So stecken wir nun mitten in der übelsten Lage, in die eine wesentlich handeltreibende Bevölkerung geraten kann: eine zahlreiche Kaufmannschaft und keine Kunden; die dringende Notwendigkeit durch immer neue Geschäfte die Verluste der alten wo möglich zu decken oder doch wenigstens in der Schwebe zu erhalten und nirgends Gelegenheit zum Umsatz, Schiffe, die im Hafen verfaulen, weil die Fracht kaum mehr die Ausrüstungskosten bezahlt macht; Matrosen, die sich für ein Spottgeld den Ausländern anbieten, weil der Inländer keinen Gebrauch von ihren Diensten mehr zu machen weiß; Handlungsgehilfen, die, ohne tiefere kaufmännische Bildung, ohne Erfahrung und sogar ohne Kapital, sich dennoch frischweg etablieren, ja etablieren müssen, weil sie nämlich bei der immer mehr überhand nehmenden Stockung der Geschäfte als Handlungsgehilfen kein Unterkommen mehr finden können — und bei alledem doch die Tradition, der Name, die Ansprüche einer großen Handelsschaft!

Noch weit schlimmer indessen als diese materiellen sind die moralischen Folgen, welche diese künstliche und unnatürliche Ausdehnung unseres Handels mit sich geführt hat. Unser ganzer Handel, und wiederum an der Spitze der Stettiner, ist darüber zum Schwindelhandel geworden. Das Börsenspiel mit Aktien ist durch Einschreiten des Staates verboten oder doch beschränkt worden; das Börsenspiel in Getreide, Spiritus, Öl etc. steht bei uns in schönster Blüte, ja es hat den wirklichen Handel damit beinahe völlig verdrängt. Unsere Kaufleute spekulieren durchschnittlich nur noch um die Differenz; Tausende von Mispeln werden verkauft, von denen der Käufer so wenig als der Verkäufer jemals nur ein Korn gesehen hat und die überhaupt nirgends anders als nur auf dem Papiere existieren. Der auswärtige Handel, wenn wir allenfalls den ostpreußischen ausnehmen, der sich in ähnlicher gedrückter Lage befindet und darum auch zu ähnlichen verzweifelten Mitteln greift, ist im Ganzen genommen zu klug sich in diese Schwindelgeschäfte einzulassen; auch ist der Kredit der Stettiner Börse dazu bereits zu sehr erschüttert. So gewinnen unsere Kaufleute denn regelmäßig einer dem andern das Geld ab; es sind Whistpartien en gros, mit Cayenne und Pariren nach rechts und links; was der Eine gewinnt, davon wird regelmäßig der Andere bankerott; das Geld vermehrt sich nicht, es wechselt nur seinen Herrn, und bei der Flüchtigkeit des Besitzes ist es ganz natürlich, dass jeder dieser Herren sich bemüht, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel davon in seinen persönlichen Nutzen, zu Genuss und Wohlleben zu verwenden. Daher die wahrhaft grausige Erscheinung, dass in demselben Maße, wie Handel und Wohlstand bei uns abnehmen, der Luxus und die Verschwendung unserer Kaufleute zunimmt; Jeder weiß, dass sein Gluck doch nur Flitter ist, darum nippt er den Schaum vom Becher so rasch es geht; wo ein Tag, ja eine Stunde zwischen Reichtum und Bettelstab liegt, da ist auch im Hause keine ordentliche und solide Wirtschaft mehr möglich, sondern ein und derselbe Schwindel muss Geschäft, Haus und Sitten mit sich fortreißen.

Nun ermessen Sie, welche Aufregung bei dieser Lage des Geschäfts in unserer Handelswelt entstehen musste, als der schlechte Ausfall der letzten Ernte in Mitteldeutschland und die ungewöhnliche Höhe, welche die Getreidepreise daselbst erreichten, uns im Laufe des letzten Winters plötzlich ganz neue und unverhoffte Absatzwege eröffnete. Hier zeigten die Eisenbahnen recht ihre weltverbindende Macht; durch ihre Hilfe wurde unsere Provinz in den Stand gesetzt ihre Getreidevorräte, die sie durch schnelle Zufuhren aus Preußen, Polen und Russland vermehrte, bis in die Mitte von Deutschland, ja bis nach Süddeutschland hineinzuwerfen; in Sachsen, Franken, Baiern, Hessen schien sich der Markt wieder zu finden, den wir in England verloren hatten. Es ist damals viel, ungemein viel Gelb bei uns gewonnen worden; allein bei der Unbedachtsamkeit und dem blinden Eifer, mit dem man sich der neuen Spekulation in die Arme geworfen, wird, fürchte ich, jetzt noch mehr, weit mehr verloren gehen, als man damals gewonnen hat. Das rasche gegenwärtige Weichen der Getreidepreise, das durch keine künstliche Mittel mehr aufzuhalten ist, selbst auch nicht durch schwarz gefärbte Ernteberichte, die noch immer hie und da in den Zeitungen auftauchen, hat eine unsägliche Bestürzung in unserem Handelsstande und jenen zahlreichen Klassen, die wiederum von diesem abhängig sind, hervorgebracht; hätten zornige Blicke, Verwünschungen und Seufzer Brand und Wurm in das Getreide bringen können, in ganz Pommern, glaube ich, gäbe es nicht eine gesunde Ähre. Ist es nicht etwas furchtbar Tragisches, was hierin liegt? und lässt eine unsinnigere Verkehrung aller natürlichen Verhältnisse sich denken? So weit sind wir gekommen, dass der Segen der Natur uns zum Fluche wird; wir wünschen sie eben so geizig, wie wir selbst sind, um unserer Habsucht desto besser frönen zu können! — Dass übrigens die Befürchtungen unserer Handelswelt nicht ohne Grund sind, das hat sich schon auf höchst bedauerliche Weise herausgestellt. Der Fall eines bedeutenden Hauses in Bromberg hat ein ebenfalls sehr bedeutendes in Stettin nach sich gerissen; die Summe, um die es sich dabei handelt (man spricht in Stettin von einer halben, in Bromberg gar von andertalb Millionen) sind für unsere Verhältnisse von kolossaler Wichtigkeit; eine Menge kleiner Häuser schwankt bereits und mit ziemlicher Gewissheit sehen wir für die nächste Woche einer allgemeinen Handelskrisis in unserer Provinz entgegen. —

Unter diesen Umständen, die natürlich mit jedem Jahre schlimmer werden, kann es denn nicht genug gerühmt werden, dass in neuerer Zeit patriotische und einsichtige Männer darauf bedacht sind durch größere Pflege der Industrie der einseitigen und leichtfertigen Richtung unsers Spekulationshandels entgegen zu arbeiten und durch solide Fabrikanlagen, an denen in unsrer Provinz bekanntlich noch immer großer Mangel ist, nicht nur unfern Arbeitskräften eine lohnende Beschäftigung zu geben, sondern namentlich auch fremde Kapitalien ins Land zu ziehen und überhaupt wieder Zutrauen zu unsern geschäftlichen Unternehmungen zu erwecken. Dem Eifer dieser Männer verdanken wir namentlich auch die Industrie-Ausstellung, die im Mai und Juni in der Hauptstadt unserer Provinz stattgefunden und die für die Belebung unsers Gewerbsfleißes hoffentlich von dauernder Wirkung sein wird. Das Verdienst derselben gehört, nächst dem baltischen Verein, der damit einen sehr glücklichen Anfang gemacht hat die bloß gelehrten Kreise zu verlassen, vorzüglich unserm Handwerker-Innungsverein, namentlich dem überaus tätigen und umsichtigen Vorstände desselben, dem Tischlermeister Piest in Stettin. Doch ist dasselbe auch von andern Seiten, von der Regierung sowohl wie von Privaten, lebhaft unterstützt worden; das Committe zeigte Beamte und Kaufleute, Gelehrte und Künstler mit einfachen Handwerkern in friedlicher und segensreicher Vereinigung. Aller Anfang ist schwer; auch war es bei der Reichen und Misslichkeit des Unternehmens natürlich, dass man eher zu viel tun wollte als zu wenig, indem man das Publikum durch das Hereinziehen von Gegenständen anzulocken suchte, die wohl ganz hübsch zu sehen waren, im Ganzen aber doch mehr in ein Raritätenkabinett gehörten als auf eine Industrie-Ausstellung. Doch war auch eine Masse tüchtiger und geschmackvoller Fabrikate vorhanden; neben verschiedenen Eisenarbeiten und Maschinen zeichneten sich besonders Stettiner Tischler- und Sattlerarbeiten aus und sind in letzteren auch von Seiten des Prinzen von Preußen, der die Ausstellung persönlich besuchte, ermunternde Ankäufe gemacht werden. Auch die Aufstellung war recht geschmackvoll und malerisch und zeigte, dass man auch in diesem Punkte bei uns Fortschritte gemacht hat. — Mit der Industrie-Ausstellung wurde Mitte Mai noch ein großes landwirtschaftliches Fest, mit Tierschau, Ausstellung von landwirtschaftlichen Gerüchen und Produkten, Pferderennen etc. verbunden. Dasselbe war aus allen Gegenden der Provinz sowie auch von Berlin aus zahlreich besucht und die Stettiner Gastwirte und Zimmervermieter haben einige fette Tage genossen. Über den Charakter des Festes selbst indessen wollte nicht viel Rühmliches verlauten; der pommersche Junker, der hier neben seinen Pferden und Ochsen die Hauptrolle spielte, soll sich im Gefühl dieser seiner Vollwichtigkeit denn doch etwas breiter gemacht haben, als selbst unsere in dieser Hinsicht sehr duldsamen Landsleute haben zulässig finden wollen.

Und da ich hier nun einmal bei der Festchronik unserer Provinz bin, so wollen Sie mir gestatten, schließlich auch noch eines dritten Festes zu gedenken, das, wenn auch von den eben gedachten sehr verschieden und nur ein persönliches, doch von unzähligen Herzen in der gesammten Provinz in Dankbarkeit und Freude mitgefeiert worden ist: ein Fest der Wissenschaft, der Humanität und Bildung, drei Güter, die, wie man behaupten will, in unserer Provinz noch nicht ganz so gut gedeihen wie Korn und Rindvieh und die doch auch nicht zu verachten sein sollen. Ich meine das fünfzigjährige Amtsjubiläum des Gymnasial - Direktor Dr. Hasselbach in Stettin, welches Ausgang April gefeiert ward. Das Stettiner Gymnasium ist nicht nur das besuchteste unserer Provinz, sondern überhaupt eines der besuchtesten der Monarchie; sein Einfluss auf alle Kreise unseres Landes ist unberechenbar, es ist die eigentliche hohe Schule unsrer Provinz. Diese ungemeine Blüte der Anstalt ist hauptsächlich Hasselbachs Werk; seine Gewissenhaftigkeit in allen amtlichen Verrichtungen, sein Fleiß und Eifer, seine Festigkeit nach oben wie nach unten, verbunden mit der persönlichen Liebenswürdigkeit seines Wesens, haben dieselbe in schwierigen Zeiten geschützt und mancherlei drohende Gefahren abgewendet. Namentlich auch die Gefahr des Pietismus, der seine gierigen Hände schon mehr als einmal nach dem einflussreichen Amte ausgestreckt, stets aber an dem geistesfreien, hochgebildeten und tapfern Greise einen so wachsamen wie ausdauernden Kämpfer gefunden hat. Das weiß man in der Provinz und das ist es, was die ganze Provinz ihm dankt. Nach den lauten Äußerungen freilich, die sie bei Gelegenheit des Jubelfestes von sich gab, darf diese Dankbarkeit nicht bemessen werden. Der Jubilar selbst hatte sich jede Art von Festlichkeit verbeten; um allen Ehrenbezeigungen aus dem Wege zu gehen, hatte er die Stadt während der festlichen Tage ganz verlassen. Doch konnte dies seine Freunde und Verehrer nicht hindern, ihm wenigstens in zahlreichen schriftlichen Glückwünschen ihre Teilnahme und Dankbarkeit an den Tag zu legen; ein Stipendium, gestiftet aus den Beiträgen seiner ehemaligen Schüler, welches den Namen des Jubilars führen wird, ist bestimmt, sein Andenken auch bei der fernsten Zeit in Segen zu erhalten. Außerdem hatte dass Stettiner Gymnasium eine poetisch musikalische Feier des Tages veranstaltet, an der das Publikum der Stadt zahlreichen und lebhaften Anteil nahm. Nur der Regierung muss man das Zugeständnis machen, dass sie dem Wunsche des Jubilars, es möchte von seinem Festtage keine Notiz genommen werden, mit wahrhaft spartanischer Gewissenhaftigkeit nachgekommen ist. Nichts von alledem, was sonst bei Jubiläen in Preußen unvermeidlich ist, und sollte es nur das fünfzigjährige Jubelfest eines königlichen Ofenheizers sein, ist Hasselbach zu Teil geworden, weder Titel noch Orden noch, wenn ich recht unterrichtet bin, auch nur ein Glückwunschschreiben des Ministeriums. Die Regierung wusste ohne Zweifel, dass jene üblichen Auszeichnungen verbraucht und dass Hasselbach damit verschonen, die größte Auszeichnung war, die ihm geschehen konnte; wenigstens ist der Vorfall im Publikum allgemein in diesem Sinne aufgefasst worden. Der Kultusminister Herr von Raumer soll zwar ersucht worden sein, sich an die Spitze des Stipendien-Kommites zu stellen, aber auch diese Bitte ist, wie ich höre, mit Bezugnahme auf die amtliche Stellung des Ministers von ihm abgelehnt worden — eine Enthaltsamkeit, die um so höher anzuschlagen, je schwerer sie dem Herzen des Herrn von Raumer geworden sein muss, indem Schreiber dieses sich noch recht wohl der Zeit entsinnt, wo Herr von Raumer selbst, als Hasselbachs Schüler, auf den Bänken des Stettiner Gymnasiums gesessen hat.




 

 
Weitere Beiträge des Autors
Aus unserem Verlagsprogramm

Septemberfrost Septemberfrost
Kriminalroman in Mecklenburgs detailreicher Kulisse. Der junge Dragonerleutnant Franz von Klotz sieht sich unversehens vor neue Herausforderungen gestellt.
Aus unserem Verlagsprogramm

Mecklenburg - Wege eines Landes Mecklenburg. Wege eines Landes
Eine Landeskunde des mecklen-burgischen Landesteils des neuen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern
Aus unserem Verlagsprogramm

Ein Ausflug nach Rügen Ein Ausflug nach Rügen
Die sommerliche Hitze der Großstadt hinter sich lassen und eintauschen gegen frisch wehende Lüfte, schattige Wälder und kühle Wellen der Ostsee. Ein Ausflug nach Rügen im Jahr 1856.

Beitragsreihe

 

Prof. SchulzMuseumsführer durch Mecklenburg-Vorpommern von Prof. Dr. Horst D. Schulz.

 

Erkan GrantlhuberErkan Grantlhuber - Ein bayrischer Kolumnist für M-V


 

Benjamin RosendahlRosendahlia - eine deutsch-jüdische Familienchronik. Von Benjamin Rosendahl.

 

Online-Magazin Mein Mecklenburg-Vorpommern