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Swetlana Geier und Galina Khotinskaya
Heute wird Swetlana Geier in Freiburg zu Grabe getragen. Sie ist am 07. 11. 2010 gestorben.
Es gab in Deutschland und Russland keine zweite Übersetzerin der russischen klassischen Literatur wie Swetlana Geier, die einmalige Meisterin mit ihrem einmaligen literarisch-ästhetischen Niveau. Um die Bedeutung dieser Persönlichkeit adäquat zu bemessen, muss man ideengeschichtliche Grundlagen berücksichtigen. Ihre Übersetzungskunst war ein „Poem“ und Musik gleichzeitig. Nicht zufällig lebte sie im Schatten des Freiburger Domes wie der Heilige Hieronymus, der berühmte Übersetzer der Bibel, und sie lebte in der Nähe von dem ältesten Baum Deutschlands. Der majestätische Dom, das Landschaftsbild, die märchenhafte Natur, die mystische seelische Verwandtschaft und innere Harmonie halfen ihr, die richtige sichtbare Form bei der Übersetzung zu finden. Ich war die Letzte, der sie ein Interview gegeben hatte. Als Korrespondentin der deutsch-russischen Zeitung machte ich zwei Reportagen über ihre geniale Übersetzungskunst. Währenddessen erzählte ich ihr über das bevorstehende bilinguale Projekt „Deutsch-russische Sternstunden“, über bilinguale Chrestomatie „Russische Klassik in der Übersetzung von Svetlana Geier“ bei www.lexikus.de und Waldemar Weber Verlag mit meinem Vorwort, das ich plante. Sie befürwortete mein Vorhaben.
Ich habe ihr erzählt, dass das Dresdner Deutsch-Russische Institut und die Zeitschrift „Das Wort“ ihre Biographie, die ich geschrieben habe, zur Herausgabe vorbereitet. Sie hat gesagt, „sie sollen sich beeilen, ich bin zu alt. Mir ist nicht mehr so viel Zeit geblieben“. Ich war drei Tage im September2010 bei Swetlana Michailowna zu Gast und das waren unvergessliche Momente.
Swetlana Michailowna war vollkommen in beide Kulturen, die russische und die deutsche, integriert. Keiner konnte so vollkommen die ästhetisch-psychologischen Aspekte beider europäischen Kulturen so tief spüren und musikalisch-mystisch wiedergeben. Die Wirkung, die Swetlana Geier mit ihrer Übersetzung identierte, ist in erster Linie eine musikalisch-psychologische-seelische. Der Erkenntnisprozess war für diese Übersetzerin ein momentanes Erfassen der Totalität der ästhetischen Werte. Sie konnte im Augenblick total konstitutive Eigenschaften des literarischen Stoffes in anderer Sprache wiedergeben. Keinem der Übersetzer ist es so gelungen für die Deutschen das russische Herz in Gleichklang zu bringen. Sie war ein Medium und Gewissen gleichzeitig. Die Sonne der russischen Übersetzungskunst ist untergegangen. Ihre Übersetzungen waren nicht nur anspruchsvoll, sie waren vollkommen. Sie lebte im tragischen zerrissenen Jahrhundert, aber diese kleine zierliche Frau war wie ein Monolith, wie ein scharf geschliffener Kristall. Die Grandiosität ihres Geistes und ihre stolze Vernunft halfen ihr, Berge zu versetzen. In der Ewigkeitswaage wiegt ihr Beitrag genau so wie des Heiligen Hieronymus’. In der Übersetzungskunst gelang es ihr, die Vollkommenheit und Ewigkeit zu erreichen. Ihre Übersetzung war eine riesenhafte Inkarnation der russischen Seele in deutscher Sprache wie bei dem Goetheschen Gedicht:
Freut Euch des wahren Scheins, Euch des ernsten Spieles, Kein Lebendiges ist ein Eins, Immer ist’s ein Vieles.
Sie hat mein deutsches Gedicht gelobt, dass ich ihr widmete
Edle Orgel klinget Und die Zeit ................... verschwindet, Ob sie fährt absichtlich Jetzt in Ewigkeit...
Alte Musikanten Bringen meine Verse Und improvisieren Meine Einsamkeit... Klangspersönlichkeiten Finden ihre Plätze Einige - in Höhe, Andre - umgekehrt. Die Choralensspiele Suchen ihre Ziele, Töne meiner Seele Finden hier ihr Wert.
Es ist ein tröstlicher Gedanke zu wissen, dass die große Übersetzerin, die in vielen Seelen genialer Schriftsteller weiterlebt, auch ein Nachleben fährt, dass sich dem geistigen Wechsel der überlebenden Menschheit anpasst, und die Unsterbliche doppelt unsterblich macht. |