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Alt und modern vereintErdgeschichte und Landesgeschichte

Vielleicht macht noch heute so manch einer einen Bogen um ein Museum, weil noch oft endlose Einzelheiten, Vitrinen und Regale erwartet werden. Ganz anders im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald! Hier wurden die Erkenntnisse moderner Museumspädagogik ganz konsequent angewendet, und herausgekommen ist ein spannender Weg durch die wechselvolle Geschichte Pommerns von der geologischen Urzeit bis (fast) zur Gegenwart.

Die Geschichtsreise beginnt buchstäblich mit einem Abstieg in den geologischen Untergrund, in das „Fundament“ zum Jura-Meer, zur Schreibkreide und in den Bernsteinwald. Man erfährt, wie die Ostsee entstand, wie die Umgebung in der Eiszeit aussah, und was geschah, als das Eis taute und sich nach Skandinavien zurückzog. Bernstein und wunderschöne Versteinerungen können bestaunt werden, aber das einfache Staunen ist nur ein Teil des Erlebnisses. Jeder Teilbereich der Ausstellung bezieht ganz selbstverständlich den Betrachter mit ein, vermittelt Verständnis und eine lebendige Vorstellung von der pommerschen Landschaft zur jeweiligen Zeit. An einem großen Landkarten-Blockbild vom Bereich der Odermündung kann man selber durchklicken, welche Teilbereiche unterschieden werden, wie weit wann die Gletscher der Eiszeit reichten, wo welche Temperaturen und Niederschläge zu erwarten sind und wie die Bewaldung sich vom späten Mittelalter bis heute entwickelte.

 Dann kommt der Mensch in diese Landschaft, und wir werden mit unseren Vorfahren durch Pommern geführt von der Steinzeit über die Bronzezeit, von den Germanen in der Eisenzeit und schließlich bis zur Zeit der Slawen und ihrem Kampf um Unabhängigkeit. Auch hier wird alles wieder ganz anschaulich und verständlich im jeweiligen Zusammenhang gezeigt und meist auch mit flotten Überschriften versehen: „Kleines Schwein große Wirkung“ kennzeichnet den Übergang von der Jagd zur Viehzucht. „Zeige mir welchen Schmuck Du trägst, und ich sage Dir, wer Du bist“ führt mit einer Puppe, an der man spielen darf und soll, ganz direkt hin zur archäologischen Methodik, die aus wenigen Grabbeigaben einen Menschen in seinem Lebensumfeld rekonstruiert. Und wenn Hacksilber, also in kleine Stücke zerhackter Schmuck, Münzen usw. erläutert werden soll: „Rückgeld nicht nötig, ich mach’s passend.“ Kürzer und verständlicher kann man das nicht erklären.

In einem kleinen, tiefblau ausgeleuchteten Gewölbe soll man zwischen vier Angeboten selbst entscheiden, wo denn wohl der sagenhafte Ort Vineta gelegen haben könnte. Man erhält die verfügbare Information und soll sich nun entscheiden und dann abstimmen. Eine Auflösung wird nicht gegeben, denn es gibt sie nicht. Aber ganz nebenbei hat man verstanden, wo die Probleme einer solchen Fragestellung liegen.
Mit dem Christentum („Neue Herrscher, neuer Glaube“) kommen dann Kirchen, Klöster und Stadtgründungen hinzu: „Zwischen Pflug und Taufstein“ und „Stadtluft macht frei“. Selbstverständlich gehört dazu dann auch „Die Hanse, eine Erfolgsgeschichte“, deren Exponate vor einer geräuschvollen Meeresprojektion gezeigt werden. Wenn man länger darauf sieht, wird man fast seekrank, aber man entwickelt auch eine Vorstellung, was Seefahrt in dieser Zeit wohl bedeutete. Der wunderschöne Dreifaltigkeitsaltar aus der Jakobikirche von Stralsund zeigt einen Ausschnitt aus dem, was die Menschen damals bewegte: „Sorge um das ewige Leben: Frömmigkeit und Kirche im späten Mittelalter“.
Der Weg in die Neuzeit führt über die Reformation bis hin zum 30jährigen Krieg. In einem abgedunkelten Raum kann man zum Schluss zwei ganz besondere Stücke des Museums bewundern, die allein schon den Besuch in Greifswald wert gewesen wären. Es ist zum Einen der monumentale Croy-Wandteppich aus dem 16. Jahrhundert, der auf einer Fläche von (geschätzt) etwa 30 m2 den Reformator Martin Luther bei einer Predigt vor den Fürstenfamilien von Sachsen und Pommern zeigt. Wie altehrwürdig die Greifswalder Universität ist, versteht und begreift man, wenn man das Szepter des Rektors von 1456 und den prachtvoll bestickten Mantel des Rektors von 1619 bestaunt.
Alles kurz zusammen gefasst: Ich kenne kein Museum, in dem Geschichte besser und spannender vermittelt wird. Selbst, wenn es sonst keinen Grund gäbe, allein schon wegen dieses Museums muss man nach Greifswald fahren!

Gemäldegalerie
Die Greifswalder Gemäldegalerie hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Bis zur Wende befand sie sich im Kieler Schloss, und hat nun ihre – hoffentlich – endgültige Heimat in Greifswald gefunden. Es ist keine von den ganz großen Galerien. Wer also Hamburg, München oder Berlin kennt, wird möglicherweise ein wenig enttäuscht sein. Wenn man aber einen interessanten und nicht zu langen Spaziergang durch die Malerei von den alten Holländern bis ins 20. Jahrhundert machen möchte, dann ist man hier an der richtigen Stelle. Ein kleiner Schwerpunkt ist die Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts, wobei in Greifswald selbstverständlich Caspar David Friedrich und sein Umfeld einen besonderen Platz einnimmt. Einige Arbeiten des 20. Jahrhunderts habe ich als etwas fremden Appendix empfunden – aber das mag an mir liegen. Die gesamte Ausstellung ist in hellen Räumen ganz ausgezeichnet untergebracht, im schlicht und nicht aufdringlich gestalteten Umfeld kommen wirklich nur die ausgestellten Gemälde zur Geltung.

Sonderausstellungen
Stets gehören jeweils für begrenzte Zeit wechselnde interessante Sonderausstellungen zum Pommerschen Landesmuseum und zeugen von einer engagierten Leitung und Planung. Im Sommer 2008 war es die Ausstellung „Ein Himmel auf Erden“, in der geschickt und verständlich die Details und Aussagen der Himmelsscheibe von Nebra erläutert wurden. Jetzt (Nov. 2008) ist es die Ausstellung „Nackt und natürlich“ mit Aktfotos und Gemälden von Günter Rössler, Susanne Kandt-Horn, Otto Niemeyer Holstein und Sabine Curio. Solche Bilder waren in den sechziger und siebziger Jahren etwas Besonderes – heute empfinde ich sie in ihren meist keineswegs natürlichen Posen eigentlich nur noch als ein wenig verkrampft und verstaubt-ostalgisch.

Restaurant Le Croy
Mit Erd- und Landesgeschichte, Gemäldegalerie und Sonderausstellung kann man leicht einen ganzen hochinteressanten Tag im Pommerschen Landesmuseum zubringen, besser noch zwei reichlich halbe Tage. Und wenn man hungrig oder durstig werden sollte, dann ist im Hause das Restaurant „Le Croy“. Das Angebot berücksichtigt aber bevorzugt (alkoholische) Getränke, während Mahlzeiten überschaubar und eher exquisit als preiswert sind.

Pommersches Landesmuseum im Internet
Anreise, Öffnungszeiten, Eintrittspreise und jeweilige Sonderausstellungen erfährt man auf einer sehr informativen Internetseite:
Pommersches-landesmuseum.de
Im Museum wird man vom freundlichen Personal bestens beraten.

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