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Rezension zu Stille Erde, ein Roman von Roland Linowski
Geschrieben von: Prof. Ehrhard Bahr   
Montag, den 07. September 2009 um 16:40 Uhr

Roman - Stille Erde Roman - Stille Erde

Dieser Roman erzählt das Leben von zwei deutschen Offizieren und einem russischen Offizier während des Zweiten Weltkriegs, eingebettet in die Geschichte eines russischen Dorfes mit Namen "Stille Erde" (Tichaja Semlja). Der russische Offizier kommt aus dem Dorf, das später von den Deutschen besetzt wird. Von den beiden Deutschen, die Brüder sind, wird der eine als Artilleriebeobachter bereits zu Anfang des Russlandfeldzugs getötet. Der andere kommt als Veterinäroffizier zur Pflege des Pferdebestands der deutschen Wehrmacht in das genannte russische Dorf.

Die Dorfbewohner sind zur Zusammenarbeit mit den Deutschen gezwungen, um den Winter zu überleben. Ohne die Saatkartoffeln, die sie von den Deutschen erhalten, würden sie verhungern. Trotz des gegenseitigen Misstrauens kommt es zu einem Zusammenleben, von dem beide Seiten profitieren. Das Dorf wird zu einer Insel des Friedens inmitten des Krieges, doch dieser Friede ist nicht von Bestand. Die russischen Partisanen in den Wäldern sind in der Lebensmittelversorgung auf die umliegenden Dörfer angewiesen. Auf deutscher Seite sind Spezialeinheiten zur Bekämpfung der Partisanen eingesetzt, und es kommt zu Zusammenstößen mit Verlusten auf beiden Seiten.
Beim Rückzug der deutschen Truppen aus der Sowjetunion wird das Dorf zerstört, wobei zahlreiche Bewohner ums Leben kommen. Bei Kriegsende gerät der deutsche Veterinäroffiziere in russische Kriegsgefangenschaft, während sein russischer Gegenspieler bei der sowjetischen Militäradministration in Deutschland eingesetzt wird. Beide kehren sie in ihre Heimat zurück, enttäuscht und betrogen von den jeweiligen Ideologien des Nationalsozialismus und des Stalinismus, die sie in den Krieg getrieben hatten. Doch als Gewinn bleibt beiden Protagonisten im Bewußtsein, dass es trotz aller Kriegsgreuel und Propaganda auf beiden Seiten Menschen gab, die nach ihrem Gewissen handelten und damit die Grundlage zu gegenseitiger Verständigung herstellten.

 


Der Essay von Valentin Michajlowitsch Falin bestätigt von russischer Seite diese Sicht: "Ich glaube …, dass es unterschiedliche deutsche Soldaten und Offiziere gab, wie auch die russischen nicht eines Schlages waren" (S. 695). Die deutschen Leser sind aufgefordert, ihre Erinnerungen zu überprüfen und ihren Gesichtskreis zu erweitern. Dieser Roman liefert einen Beitrag zur Völkerverständigung und ist deshalb besonders für Öffentliche Bibliotheken, bzw. Leihbibliotheken zu empfehlen.

 

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#1 Video 2009-10-06 18:46
Impressionen von einer Lesung des Autors in Bad Fallingbostel. Radierungen zum Roman von Bernd Lehmann.

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