| Die stumme Braut |
| Geschrieben von: Dr. Renate Krüger | |||||||
| Sonntag, den 30. August 2009 um 14:11 Uhr | |||||||
Seite 1 von 5 Die Erzählung „Die stumme Braut“ führt den Leser in das spätmittelalterliche Mecklenburg am Vorabend der Reformation mit seinen differenzierten Lebensformen und folgenreichen Konflikten. Eine Zeit der Unruhen und Umbrüche, der Ängste und der Wundergläubigkeit, der Klosterfrömmigkeit und der Wallfahrten, der Judenvertreibungen und –verbrennungen. Wie alle diese scheinbarwidersprüchlichen Lebenseinstellungen zueinander passen oder einander sogar bedingen, ist aus heutiger Sicht nicht leicht zu durchschauen. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es eine faszinierende Epoche. Die Fabel kreist um den Sternberger Judenprogrom, der 1492, im Jahr der Entdeckung Amerikas, stattfand, dem 27 Menschen zum Opfer fielen und der dazu führte, daß Mecklenburg „judenfrei“ gemacht wurde. Der Leser gewinnt Einblicke in das Schicksal historisch verbürgter und erfundener Personen. Da ist zum einen die flämische Beghine Dorothea van der Gheenst, die vom mittelalterlichen Mantelrecht Gebrauch macht und einem Menschen das Leben rettet. Oder der Sternberger Priester Peter Däne, der Opfer des sozialen und geistigen Umbruchs seiner Zeit wird und auf dem Scheiterhaufen endet. Der reiche, etwas dümmliche Wismarer Emporkömmling und Kaufmann Jürgen Kruse kämpft gegen den seherisch begabten Maler und Holzschnitzer Henning Schnytker. Da ist vor allem die schöne liebreizende Chane, an deren Hochzeitstag das schreckliche Verhängnis in Sternberg seinen Lauf nahm und sie so stark betroffen machte, daß sie Erinnerung und Sprache verlor. |
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