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Johann Heinrich von Thünen – Ein enger Freund der Familie Pogge


Johann Heinrich von Thünen Johann Heinrich von Thünen

Ganz besonders befreundet war von Thünen mit der Pogge'schen Familie. Seine achtungsvollen und innigen Beziehungen zu dem Domainenrat Pogge gingen auf dessen Söhne über. Graf Schlieffen-Schwandt schreibt:

„die gegenseitige Harmonie zwischen von Thünen und dem jüngeren Sohne Johann Pogge auf Roggow ist ihrer gegenseitig würdig.“ — „Was man an Pogge zu tadeln hätte,“ heißt es weiter, „entspringt gerade aus seiner vortrefflichen, ja in vieler Hinsicht unübertroffenen Persönlichkeit.“ 



Pogge-Zierstorf schreibt: 


„Glauben Sie mir, es sind keine Komplimente, wenn ich Ihnen aufrichtig sage, wie ich innig bedaure, dass Ihre Stellung nicht so ist, dass der seltene Schatz Ihrer inneren Forschungen der Menschheit mehr zugänglich ist. Was könnten und würden Sie für Nutzen stiften — das tiefere Denken fördern, Geist und Gemüt veredlen! ein Gedanke, der sich stets bei mir erneuert, wenn ich das Glück gehabt habe, eine Stunde bei Ihnen allein zu sein!“ ,


und von Thünen:


„— ich war trübe gestimmt; denn am Tage zuvor hatte ich einen vieljährigen Freund — Pogge in Zierstorf — zu Grabe geleitet. Dieser Todesfall hat mich sehr ergriffen. In den Versammlungen des patriotischen Vereines zu Teterow und Güstrow, auf der Tierschau — überall werde ich ihn vermissen, und schmerzlich an seinen Verlust erinnert werden. Er stand noch in der höchsten Blüte der Kraft, ja man kann sagen, daß er erst jetzt, durch Abstreifen mancher Schroffheiten zur vollen Wirksamkeit gelangt sei — und nun wird er abgerufen! Erquickend war für mich die viele Teilnahmebezeugung im Trauerhause. Das Gefolge bei seinem Leichenbegängnis war glänzend, und in allen Gesichtern hatte sich der Schmerz tief eingegraben. Erwägt man nun, dass er Manche durch seine Laune, durch sein schroffes Entgegentreten gereizt und beleidigt hat, so drängt sich die Frage auf: was ist die Ursache dieser vielfachen herzlichen Teilnahme? Die Antwort hierauf ist: Sein Streben war ein gemeinnütziges, sein Ziel das Wohl der Menschheit, dem er Mühe, Zeit und Geld zum Opfer brachte! Dass das Publikum Sinn und Achtung dafür zeigte, hat meine Achtung für dasselbe bedeutend erhöht. Zugleich liegt hierin eine Lehre und Warnung für Diejenigen, die nur egoistischen Zwecken folgen.“


Immer war von Thünen durch den Wegzug oder das Ableben Nahestehender tief bewegt, und sagte:


„so wenig sich alter Wein künstlich erzeugen lässt, so wenig kann eine durch ein Vierteljahrhundert bewährte Freundschaft sich durch ein neues Band ersetzen lassen.“


Außer den Angehörigen seiner engeren und weiteren Familie brachte eine große Zahl Anderer, befreundete Nachbarn, Familien der Umgegend ihm oft ihre Huldigung dar.


„Man sah sich durch seine Nähe und den nie versiegenden Quell seines schaffenden Denkens immer im Innersten wahrhaft erquickt, und sah es für das größte Glück an oft, etwa alle Sonntage, im Gespräche mit ihm sich zu erbauen und zu fördern.“ Und gewiss „wurde manche schöne Erinnerung aus Tellow heimgetragen, um fort und fort dann zu zehren. Von Thünen war eine zu sehr selbst geschaffene Natur, als dass man nicht stets mit immer neuen Schätzen hätte zurückkehren sollen“ wahrlich das „häusliche Leben in Tellow gewährte den Eindruck jener still beseligenden Ruhe, mit der die geistigen Götter Griechenlands auf dem Olymp thronen, während sie darum nicht minder alle menschlichen Schwächen an sich herankommen lassen.“


Namentlich an den Geburtstagen von Thünens und seiner Gattin und an sonstigen Gedenktagen der Familie wetteiferte man ihm Beweise der Achtung und Zuneigung darzubringen, und wer selbst am Kommen behindert war, sandte Blumen und Kränze, oft aus weiter Ferne, oder Briefe und Gedichte an den Gefeierten.


Aus: Johann Heinrich von Thünen – Ein Forscherleben von Hermann Schumacher. 1868



 
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