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Abenteuer Lexikus
Geschrieben von: Dr. Renate Krüger   
Sonntag, den 20. September 2009 um 17:23 Uhr

Ein digitaler Baum mit reifen Früchten

Das Projekt Lexikus.de ist ein Komplex mit dem Hauptschwerpunkt mecklenburgischer und pommerscher Landeskunde, soweit sie sich in älteren und gemeinfreien Büchern niederschlägt. Kann das ein Abenteuer sein, ein Erlebnis, ein Spaßelement? Ist das nicht eher langweilig? Nicht für den, der sich auf Überraschungen versteht, der seine wachsende Neugier und die Erfahrung neuer Zusammenhänge wahrnimmt. Der lernt, ohne es zu merken, learning by doing…

Und überhaupt – ältere Bücher… Sie sind ja nicht „überholt“, weil sie dem neusten Forschungsstand nicht entsprechen, sondern sie sind selbst Forschungsgegenstand und Quelle für die Forschung, führen zu immer neuen Entdeckungen und zur Einsicht in immer neue Zusammenhänge. Die Lektüre alter Bücher ermöglicht die Schärfung des historischen Blickes und ist selbst schon ein historisches Erlebnis, ein intellektuelles Vergnügen


Entwicklungspotenzial


Lexikus.de ist ein Übungsfeld für eine Mitmach-Gesellschaft, die alle ihre Reaktionen und Entfaltungen zur Darstellung bringen möchte. Allzu feste Strukturen wären eher hinderlich als förderlich, weil sie ein schnelles Reagieren auf Veränderungen und neue Perspektiven nicht genügend berücksichtigen könnten. Lexikus.de bietet Entwicklungspotenzial in vielerlei Richtung, darunter die Möglichkeit, alte Bücher in vertrauter moderner Schrift neu zu drucken und über den eigenen Shop und den Buchhandel zu vertreiben. Das Online-Magazin „Mein Mecklenburg-Vorpommern“ bietet Beiträge zur Landeskunde und im Zuge der europäischen Integration und der zunehmenden Globalisierung auch darüber hinaus. Aus diesen Möglichkeiten werden sich brauchbare und hilfreiche Strukturen von selbst herausbilden und als Fundament erkennbar werden. An ihren Rändern wird sich Neues und Weiterführendes entwickeln.


Der Nutzen für den Nutzer


Der Nutzer – derjenige, der einen Nutzen davon hat – muss sich darauf einlassen, dass er mehr ist als nur ein Leser. Er darf schnell einen Gewinn einstreichen, nicht nur neue Informationen, sondern Zusammenhänge, die unmittelbare Begegnung mit der Geschichte am Bildschirm, die Teilhabe am kulturellen Erbe. Solchen Nutzen könnten alle Glieder der Gesellschaft für sich verbuchen, Lehrende und Lernende, Jugendliche und Senioren. Für bestimmte Sachgebiete, etwa für den Unterricht, für den Tourismus oder für aktuelle Ereignisse ließen sich Pakete schnüren, in die alle erforderlichen Informationen eingebracht werden könnten. Mit wenigen Mausklicks könnte man sich eine Übersicht verschaffen und das Wesentliche für sich vertiefen. Dieses Vertiefen ist wichtig, und diese Arbeit nimmt der Computer dem Nutzer nicht ab. Die digitalen Möglichkeiten führen nicht automatisch zu vertieftem und gründlichem Wissen. Der Gefahr der Oberflächlichkeit sollte man sich stets bewusst sein.


Lesesaalatmosphäre


Ich gehöre einer Generation an, der Informationen nur selten in gewünschtem Ausmaß zugänglich waren. In den Nachkriegsjahren hatten wir keine Schulbücher und waren darauf angewiesen, den Ausführungen der Lehrer so konzentriert wie möglich zuzuhören und so viel wie möglich mitzuschreiben, nachzulesen, auswendig zu lernen. Den Nutzen aus diesen Übungen spüre ich bis heute. Als es dann wieder Bücher gab, musste ihr Inhalt einer bestimmten Ideologie entsprechen. Weite Wissensbereiche blieben unzugänglich. Viele Stunden habe ich in der Mecklenburgischen Landesbibliothek zugebracht, um aus Büchern zu recherchieren, die den Lesesaal nicht verlassen durften. Viele Bücher mussten über Fernleihe bestellt werden. Die Wartezeiten waren so lang, dass ich beim Eintreffen der Bücher oft erst nach Monaten nicht mehr wusste, zu welchem Zweck ich sie eigentlich bestellt hatte. Und heute haben sich die Wartezeiten auf Sekunden verkürzt. Dennoch habe ich sehr schöne Erinnerungen an diese vergangenen Stunden im Lesesaal, der zu einem besonderen und wichtigen Ort für mich wurde.


Präsentes Gedächtnis der Menschheit


Bibliotheken sind das Gedächtnis der Völker, das Langzeitgedächtnis. Beim Lesen kann man sich als ein Teil dieses Gedächtnisses fühlen, darf mitdenken. Auch beim Surfen und Recherchieren auf Lexikus.de kann man dieses Lesesaalerlebnis herbeiführen, vorausgesetzt, man lässt sich auf die digitalen Maßstäbe ein und versteht sich auf das Navigieren. Dennoch sollte man das Gefühl für reale alte Bücher mit ihrem besonderen Patinacharme nicht verlieren. Heute umfasst das Portal auf 20.000 Seiten etwa 1 Mio. digitalisierte Buchseiten. Die gleichnamige Literartursuche Lexikus ermöglicht darüber hinaus einen portalübergreifenden Zugang und liefert Ergebnisse von Wikisource, Zeno.org, Project Gutenberg, Lexikus.de und Projekt Gutenberg-DE. Ein wichtiger Bestandteil der Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist somit weltweit präsent. Nun gilt es neben der Flächendimension auch die Tiefendimension weiter auszubauen.

 
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