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Ein Schelm wer Böses dabei denkt.
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 04. Juni 2010 um 11:29 Uhr

Bad Doberan. Herzoliches Palais um 1800 Bad Doberan. Herzoliches Palais um 1800

Wie man in Mecklenburg im Schicksalsjahr 1812 mit der Krise umging und wie sich die Lasten verteilten, erfahren wir aus einem Brief des Franz Christian Lorenz Karsten (geb. 25. April 1751 in Güstrow, gest. 28. Februar 1829 zu Neuenwerder bei Rostock). Er wirkte zunächst als Professor der Nationalökonomie in Bützow und Rostock und gründete im Jahre 1793 das landwirtschaftliche Institut in Neuenwerder.

Aus: Briefe aus den Kriegsjahren 1812 - 1815. Mitgeteilt von Kurt Elsner von Gronow, Kriegsgerichtsrat, 1909.

 

Im Mai und Juni 1812 ist es wieder ruhiger im Mecklenburgischen geworden. Der Briefschreiber lässt sich unter dem 6. Mai dahin verlauten:

„In politischer Rücksicht leben wir jetzt in tiefer Ruhe und wir würden uns glücklich nennen können, da selbst die permanenten Einquartierungen leidlich und sehr erträglich sind, wenn nur nicht die fortdauernden Kontributionen und Abgaben so manchen mutlos, manchen ganz arm machten; denn es ist dies nichts Temporäres, sondern es ist abzusehen, dass sie, bei jeder, selbst bei einer nicht zu hoffenden, Wendung unsers Schicksals, nicht nur nicht aufhören, sondern wohl gar immer mehr anwachsen werden“,

und unter dem 25. Juni schreibt er:


„Wir leben übrigens hier in tiefer Ruhe, lassen uns das, was unsre entfernteren Brüder leiden, - und was vielleicht auch schrecklich noch über uns kommen kann, - nicht anfechten. Seufzet freilich der größere Haufe unter erdrückenden Lasten, so genießt dafür der kleinere glücklichere Teil die Freuden des Lebens, - wenn sie auch gleich durch Begünstigung der Zeitumstände nicht grade durch moralisch gute Hilfsmittel geschafft werden, - desto reichlicher.


Unser froh gelaunter Landesherr geht nachahmungswürdig mit gutem Beispiele vor, wie man die Trübsale und Kümmernisse verscheuchen muss. Er hat sich zu seiner bevorstehenden Sommerfreude in Doberan 50.000 Thaler erbeten, die auch wohl geschafft werden müssen. Es ist doch eine schöne Sache, souveräner Herr zu sein!

Übrigens stehen die Getreidepreise hier schlecht; der Landmann wird fortwährend auf alle Art gepeinigt, und die Hoffnung zu unsrer Ernte ist wieder sehr mittelmäßig. Der gute Hausvater dort oben, der nun so viele Jahrtausende gewirtschaftet hat, wird wissen, wie lange dies alles der Menschheit nützlich und gedeihlich ist!“

 

1) Marschall Davout, der von Napoleon zum Fürsten von Eckmühl ernannt wurde.

 

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