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Aus: Die zweite Ehe des Herzogs Karl Leopold.
Ein Kulturbild aus Mecklenburg im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts 
von  Wilhelm Paul Graff. (1845-1904)


Am 9. Mai 1716 traf Herzog Karl Leopold (1678-1747) mit seinem Intendanten Walter und dem Geheimen Rath von Habichsthal aus Danzig, in seiner Residenz Schwerin ein; bald darauf auch der Oberhofmarschall Baron von Eichholtz. Es wurden große Vorbereitungen zum Empfang der neuen Landesmutter und des Zaren Peter von Russland getroffen.

Am 12. Mai erschien der Zar vor der Stadt und hielt an der Spitze eines Teils seiner Truppen seinen Einzug in dieselbe.

Zar Peter kam in Frieden. Herzog Karl Leopold hatte zuvor am 19. April in Danzig Katharina Iwanowna, Mündel und Nichte Peters des Großen, geehelicht.

"Für Zar Peter waren, wie schon bemerkt, im Schloss die besten Zimmer aufs Prächtigste hergerichtet. Doch scheinen diese seinem Geschmack wenig entsprochen zu haben.

Wenigstens, als Eichholtz am Morgen nach dem Einzuge dahin kam, um den hohen Gast zu begrüßen, fand er Niemanden, weder im Vorzimmer, noch in den nächsten Gemächern. Selbst im Schlafzimmer fand er „das aufgemachte prächtige Bette so wie Tages zuvor gestanden.“ Endlich hört er auf einer nach Oben führenden geheimen Treppe Geräusch. Er begibt sich hinauf und findet den Zaren in dem kleinen, für seinen Kammerdiener unterm Dach eingerichteten Gelass, in dessen Bett er auch geschlafen hatte.

Dergleichen gehörte zu Peters Liebhabereien. In Berlin soll er auf dem Fußboden hinter der Tür auf einem untergebreiteten Bärenfell geschlafen haben. Es ist zu vermuten, daß er solches aus Misstrauen und in dem Wunsche getan, jede Gefahr zu vermeiden, damit Niemand wüsste, wo er schlief. -

Über den Einzug und Empfang der Herzogin Katharina mit ihrer Tante, der Zarin, findet sich in den mir vorliegenden Quellen soviel wie gar nichts. Es scheint nur, daß ihnen schon in Güstrow ein festlicher Empfang bereitet worden ist, und daß sie dort im Schlosse die Nacht vor ihrem Einzuge in Schwerin zugebracht haben werden. Peters des Großen Persönlichkeit, die durch seine Kriegerscharen in Mecklenburg vollzogenen Maßregeln und die politischen Ereignisse ließen den Augenzeugen für andere Personen und Dinge in seiner und des Herzogs Umgebung wenig Aufmerksamkeit übrig.

Jedoch sollte diese Ehe, wenn nicht der Keim, so doch die Förderung sehr ernster und für sie selbst besonders unheilvoll ausschlagender Ereignisse werden. Es sollte und konnte auch vielleicht kein Segen auf ihr ruhen. Denn der Beweggrund zum Abschluß derselben lag beim Herzog Karl Leopold lediglich in einer, nicht nur gegen die reichseinheitliche, die kaiserliche Gewalt, sondern auch gegen einen großen, damals hauptsächlich maßgebenden Teil seiner Untertanen gerichteten, persönlich ehrgeizigen Politik. Dass diese trotz der brutalen Unterstützung durch überwältigende russische Heeresmacht in Mecklenburg nicht zum Siege gelangte, dafür sorgte in erster Reihe der zähe unbeugsame Sinn des damaligen mecklenburgischen Landadels.

Am 26. Mai verließ die bisherige dänische Besatzung Rostock, und statt ihrer rückten jetzt von allen Seiten die russischen Truppen gegen die Stadt heran, um von dort aus via Seeland nach Schonen überzusetzen. Im Monat Juni befanden sich in dem unglücklichen, im dreißigjährigen Kriege durch Feuer, Schwert und Seuchen entvölkerten, darnach wiederum durch häufige Kriege seiner mächtigen Nachbarn, durch Missernten, Hungersnot und eigene innere Zwistigkeiten heimgesuchten Lande Mecklenburg nahezu an 50.000 Mann Russen."

 

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