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Backstein + Formstein = Backsteingothik
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, den 01. Juni 2010 um 16:03 Uhr

Wismar, historische Stadtansicht Wismar, historische Stadtansicht

Die im Jahre 1890 von Friedrich Sarre an der Universität Leipzig zur Erlangung des Doktortitels vorgelegte Inaugural-Dissertation trug den Titel „Beiträge zur Mecklenburgischen Kunstgeschichte“.

Der Fürstenhof zu Wismar und die tönernen Formsteine aus der Werkstatt des Statius von Düren in Lübeck.

 

Sarre wurde im Laufe seines Lebens einer der renomiertesten Archäologen und bedeutendster Sammler islamischer Kunst. Auf seinen Reisen durch Klein-Asien in den Jahren 1895-1900 begeisterte er sich für die dortigen Kunst- und Bauwerke in einem so großen Maße, dass er sich selbst die Aufgabe stellte, eine gnaue und akriebische Bestandsaufnahme derselbigen zu erstellen. Bedenkt man unter welchen erschwerten Bedingungen in der damaligen Zeit allein die Anfertigung von Fotografien stand, wächst die Bewunderung für das Ergebniss seiner Arbeit, deren Schönheit nur schwer zu übertreffen ist.

Pasargadae, Tombeau de Cyrus Pasargadae, Tombeau de Cyrus

Mit seinen aufsehenerregenden Ausgrabungen und wissenschaftlichen Publikationen erlangte der spätere Leiter der islamischen Abteilung des Kaiser-Friedrich-Museums (heute Bode-Museum) in Berlin große Aufmerksamkeit und Achtung.

Es freut uns umso mehr, das Friedrich Sarres Interesse an Architektur, Kunst und Geschichte am Fürstenhof zu Wismar seinen Anfang nahm.

Was Friedrich Sarre letztendlich bewog, das Thema für seine Doktorarbeit so zu wählen, können wir nur Vermutungen anstellen. Vermutlich lag es an seiner Begeisterung für den Baustoff des Nordens, mit dem Maurermeister und ihre Gehilfen, Wohnhäuser, Brücken und gewaltige Kirchenbauten und Klöster errichteten, dem Backstein. Beeindruckende Zeugnisse der sogenannten Backsteingothik finden sich noch heute in allen ehemaligen Hanse- und Residenzstädten Norddeutschlands.

„Die Fähigkeit der Ziegelerde, sich leicht der bildenden Hand des Künstlers zu fügen, führte bei „fortgesetzter Übung und Erfahrungsresultaten“ dazu, gothische Profile und Laubornamente, ja sogar figürliche Darstellungen zu schaffen. In den Hansestädten, in Mecklenburg, Pommern, in der Mark Brandenburg bis hinauf zum preussischen Ordenslande, überall begegnen uns diese oft glasierten und in mannigfachen Farben schillernden Formsteine und wirken belebend auf die wuchtigen und schweren Mauermassen.

Bis zu welcher Vollkommenheit man in dieser Technik gelangt war, lehrt z. B. ein Blick auf den Querschiff-Giebel der Nicolai-Kirche in Wismar. Hier sind in reicher Abwechselung Reliefs von fabelhaften Tiergestalten, Masken und kleine Statuetten der Maria und des Schutzpatrons der Kirche angebracht. Wenn einige dieser Formziegel auch in Schwerin, Rostock und vor allem in Lübeck vorkommen, so kann man wohl annehmen, dass die Erzeugnisse hier fabrikmäßig hergestellt wurden ...“

 

 

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