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Des Teufels Advokat
Geschrieben von: Benjamin Rosendahl   
Mittwoch, den 02. September 2009 um 17:07 Uhr

Eine wahre Geschichte über Deutsche, Christen, Nazi-Kriegsverbrecher und ein ungewöhnliches Neues Testament

Nobelpreisträger Günther Grass schrieb kürzlich, dass das Verhältnis der Deutschen zur Geschichte wie eine verstopfte Toilette sei: “Wir spülen und spülen, aber die Sch… kommt immer wieder hoch.” (aus “Im Krebsgang”, zitiert im New Yorker Magazine vom 18. September, 2006). Diese Aussage, auf das ehemalige SS-Mitglied Grass selbst sehr zutreffend, beschreibt einen wahren Tatverhalt: Die Nazi-Vergangenheit verfolgt die Deutschen immer mehr, je länger sie sich zeitlich davon entfernen.

Sei es die vor kurzem veröffentlichten Photographien von hochrangigen Nazis in lockerer Atmosphäre in Auschwitz, die Einnerung an die vor 25 Jahren veröffentlichten Hitler-Tagebücher, oder der neue Papst, der es vom HJ-Jungen und der Wehrmacht zur Unfehlbarkeit brachte. Wobei sich hier die Frage nach dem Verhältnis eines gläubigen Katholiks (und Papst Benedikt ist hier nur ein Beispiel) zum deutschen Nationalismus im allgemeinen und zum Nationalsozialismus im Besonderen stellt. Umgekehrt ist es auch interessant, die Gretchenfrage an die Funktionäre der NSDAP zu stellen: Wie hielten sie es mit der Religion? Ein ungewöhnliches Dokument gibt darauf eine unerwartete Antwort.


1) Das Dokument

Vor ca. 1 Jahr kam in einem Antiquariat in Los Angeles eine 1938- Ausgabe eines “Neuen Testaments” (nach Martin Luther) per Post an. Auf den letzten Seiten waren handschriftliche Unterschriften von 19 Angeklagten der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse zu sehen, einschliesslich die von Göring, von Ribbentropp, Albert Speer und Julius Streicher.




Der Leiter des Antiquariats (er bat mich, seine Identität nicht zu veröffentlichen) ist Jude, handelt aber mit vielen Dokumenten der Nazis, die im Buchhändler-Jargon “Naziana” genannt werden. Das ist ein interessantes Gebiet: Nach Angaben eines Artikels der “New York Times” fing es damit an, dass Gefängniswärter der Nürnberger Prozesse im von den Angeklagten “Mitbringsel” im Austausch für Zigaretten erwarben. (Tony Perrottet: “The Doctor and the Nazis”, NY Times vom 24. September 2006) Ab den 60er Jahren landeten viele dieser Objekte bei Auktionshäusern, wo sie für hohe Preise versteigert wurden. Unter anderem kamen dabei Görings Selbstmordkanister, einige von Hitlers Aquarellen und sonstige Gegenstände aus dem Privatbesitz von NSDAP-Funktionären unter den Hammer.

Passt dieses Neue Testament auch in diese Kategorie? Der Leiter des Antiquariats beantwortete die Frage mit einem klaren “Ja”. Seiner Meinung nach war es höchstwahrscheinlich ein Gefängniswärter, der den Angeklagten ein paar Zigaretten besorgte und dafür ein von ihnen mit Autogramm versehrtes Neue Testament erhielt. Warum aber ein Neues Testament? Und warum würden sie es unterschreiben?

2) Nationalsozialismus und Christentum

Wie gesagt, ist ein Neues Testament eine (gelinde gesagt!) ungewöhnliche Wahl für diese “Unterschriftenaktion” der NS-Kriegsverbrecher, insbesonders, wenn man bedenkt, dass das Verhältnis des Nationalsozialismus zum Christentum nicht unbedingt freundlich war. So ist es die Meinung der meisten Historiker, dass das christliche Glaubenssystem mit dem Nazi-Glaubenssystem unvereinbar sei: Nämlich, so das Argument, hätten die Nazis christliche Grundsätze wie Barmherzigkeit mit dem Sozialdarwinismus ersetzt: “Das Überleben der stärksten Rasse”. Des weiteren wurde die NS-Ideologie vom “Übermensch” – Prinzip des bekannten Atheisten Friedrich Nietzsche beeinflusst. Schliesslich betrachtete sich, so das Argument, der Nationalsozialismus als eigene Religion, Hitler als sein Messias und die NSDAP als seine Kirche.

Wenn dieses Argument stimmt stellt sich die Frage, warum hochrangige Funktionäre der NSDAP ein Neues Testament, also ein Dokument, für das sie nur Verachtung übrig haben, unterschreiben würden. Fiel die Nazi-Ideologie gegen Ende des Krieges wie ein Kartenhaus zusammen? Hiess der verlorene Krieg ein Sieg des alten Glaubens? Oder war es eher ein persönlicher Sinneswandel der Angeklagten, die mit der Todesstrafe konfrontiert waren? Gab es so einen Sinneswandel überhaupt?

Bevor ich diese Fragen beantworte, würde ich darauf hinweisen, dass die oben beschriebene Dichotomie von Nazi-Ideologie und Christentum in den letzten Jahren bestritten wurde, insbesonders von Richard Steigmann-Gall (The Holy Reich: Nazi Conceptions of Christianity, 1919-1945. Cambridge: 2003): Er beschreibt den christlichen Wortschatz der Nazis, die Inregration christlicher Antisemiten in die Ränge der NSDAP, und vor allem das Nazi-freundliche “positives Christentum” (vertreten insbesonders durch die “Deutsche Kirche”). Hanns Kerr, ein gläubiger Protestant und von Hitler zum Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten ernannt, meinte sogar, das wahres Christentum und Nationsozialismus identisch seien (Steigmann-Gal, S. 188)

Im grossen Ganzen jedoch, und insbesonders nach 1937, hatten die Antiklerikalen das Sagen in der NSDAP: Borman, Heydrich, Goebbels, Goering, und NS- Ideologe Alfred Rosenberg. Letzterer schrieb in seinem für NS-Ideologie bahnbrechenden “Mythus des 20. Jahrhunderts”, dass eine Religion des Blutes, der Ehre und Rasse das Christentum ersetzen würde. Dies macht die Tatsache, dass Rosenbergs Unterschrift auf dem Neuen Testament klar zu sehen ist, noch unglaublicher.

Wie kann das möglich sein? Handelt es sich um eine Fälschung, wie die vor 25 Jahren vom “Stern” veröffentlichten Hitler-Tagebücher?

3) Hitler-Tagebücher und andere Fälschungen

Als ich den Leiter des Antiquariats nach der Möglichkeit einer Fälschung befragte, versicherte er mir, dass er die Unterschriften von Experten verifizieren liess, die ihm die Echtheit bestätigten. Das Problem mit dieser Antwort ist natürlich, dass auch die Hitler-Tagebücher als echt von Experten verifiziert wurden: Am 25. April, 1983 teilte das Nachrichtenmagazin “der Stern” in einer Pressekonferenz mit, dass die Tagebücher Adolf Hitlers aufgetaucht seien, und dass das Magazin sie exklusiv veröffentlichen würde. Der Journalist, der sie ausfindig gemacht hatte, Gerd Heinamnn (der –historische Fügung- mit Goerings Tochter Edda liiert war) hatte da bereits über 9 Millionen Mark für die Tagebücher bezahlt. Die Unterschriften waren von einer Expertenkommission, die u.a. aus dem renommierten Historiker Hugh Trevor-Roper und zwei sehr anerkannten Unterschriftenkennern, Max Frei-Sulzer and Lothar Michel, bestand, verifiziert worden. Es handelte sich, so die Experten, einwandfrei um Hitlers Handschrift.

Was die Experten leider übersahen, war das Papier, auf dem Hitlers Handschrift stand: Die “Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung” kam zu dem Ergebnis, dass das Papier nicht jünger als die 50er Jahre hätte sein können. Innerhalb von einer Woche musste der “Stern” seine Angabe zurücknehmen. Der Name, der hinter Hitlers Handschrift steckte, war nämlich nicht Adolf, sondern Konrad Kujau …

Handelt es sich bei den Unterschriften auf dem Neuen Testament auch um eine Fälschung? Möglich. Jedoch ist es eindeutig schwieriger, 19 verschiedene Unterschriften zu imitieren als eine einzige. Auch stellt sich die Frage nach dem Motif: Profit, wie im Falle Kujaus? Oder ein höheres Ziel, wie z.B. die Geschichte umzuschreiben?

4) Naziana Buchhändler, Kenner der Nürnberger Prozesse und andere Experten

Der nächstlogische Schritt war es, das Dokument zu verifizieren. Meine erste Kontaktperson war Tom Teicholz, der im “Jewish Journal of Greater Los Angeles” einen Artikel über die in L.A. ausgestellten Original- Schreibmaschinenseiten der Nürnberger Gesetze geschrieben hatte (http://tommywood.com/cgi-bin/mt/mt-search.cgi?search=Nazi+Nuremberg&IncludeBlogs=1). Er schrieb mir folgende Email:

“Thanks for your inquiry: regarding a New Testament signed by the Nuremberg defendants. Unfortunately, I can't tell you anything about it -- it is possible they signed it at the Nuremberg trial after the war. But again I don't know about it. Best., Tom Teicholz”

Die nächste Person, die ich kontaktierte, war Wolfgang Hermann vom renommierten Auktionshaus “Herman Historicum” in München. Er hatte noch nie von dem Dokument gehört und frage ironisch, “wollten die Angeklagten wohl ihr reines Gewissen vor Gott bekunden? Recherchieren sie doch einmal, wie es mit der Religiosität bei den Angeklagten wirklich stand. Ich habe da meine Bedenken.” Trotz dieser Zweifel leitete er meine Anfrage an den Militärhistoriker Gerd Schulz weiter, dessen Vater Angestellter beim IMT (International Military Tribunal) gewesen war. Schulz hielt die Sache für sehr zweifelhaft, da es -nach den Erzählungen seines Vaters- wohl kaum möglich gewesen sein konnte, dass die Gefangenen ein Dokument gemeinschaftlich unterzeichnen hätten können.

Auch das “Bundesarchiv” und das Stadtarchiv der Stadt Nürnberg gaben mir eine ähnliche Antwort. War es also doch eine Fälschung? Auf jeden Fall schien niemand von dem Dokument, dass ein jüdische Antiquar in Los Angeles für tausende von Dollars verkauft, gehört zu haben.

5) Der eitle Photograph

Und dann nahm die Suche eine Wende: Eckart Dietzfelbinger, vom Dokumentationszentrum Reichsparteitage Nürnberg, schrieb mir dass ihm das Neue Testament zwar unbekannt sei, das Dokumentationszentrum jedoch Autogrammkarten der Angeklagten im Hauptkriegsverbrecherprozess besitze, die auf einen Seite den Namen des jeweiligen Verteidigers, auf der anderen Seite die Unterschrift des jeweiligen Angeklagten zeigten. Auf diese Weise ware es möglich, zumindest die Unterschriften des Neuen Testaments mit denen der Autogrammkarten zu vergleichen und zu sehen, ob sie identisch seien.

Frau Gerda-Marie Reitzenstein, von der Justizpressestelle des OLG (Oberlandesgericht) in Nürnberg schrieb mir danach folgendes:

“Weder habe ich in den von mir zu Rate gezogenen Büchern (wie den Erinnerungen eines der Chefankläger Telford Taylor oder des Gerichtspsychologen Gilbert) einen Hinweis entdecken können, noch wusste ein ausgesprochener Kenner der Nürnberger Prozesse, der frühere Präsident des Landgerichts Nürnberg Dr. Klaus Kastner, Autor einiger Bücher über den Prozess, etwas von Unterschriften in einer Bibel. Wir wissen aber, dass sich einige der Prozessbeteiligen, so der Fotograf Ray D'Addario, von möglichst vielen der Angeklagten Autogramme geben ließen. “

War das die Lösung des Rätsels? Ein Photograph, der vom Zeugen der Geschichte zum Objekt werden wollte? Der endlich selbst im Mittelpunkt stehen würde? Aber warum ein Neues Testament? Reitzenstein leitete mich zu Dr. Theodorus Radisoglou, einem Dolmetscher der Nürnbeger Prozesse, weiter. Radisoglou bestätigte, dass Ray D’Addario noch am Leben sei. Würde er persönlich bestätigen, dass er diese “Unterschriftenaktion” initierte?

Die Antwort war “nein”: Ray d’Addario hatte einen Gehirnschlag erlitten und war nicht ansprechbar. Radisoglou jedoch bestätigte mir, dass die Unterschriften des Neuen Testaments identisch mit denen, die d’Addario besitzt, waren. Er gab mir einen weiteren Hinweis, der weg von d’Addario führte:

“Gehörte es [das Neue Testament, B.R.] vielleicht Henry Gerecke, dem lutherischen Pastor aus St. Louis, der Göring, Ribbentrop, Keitel, Frick, Schacht, Dönitz, Raeder, von Schirach, Sauckel, Speer, von Neurath und Fritzsche betreute? (Ich meine, dass dies ein guter Tipp ist!!!)”

6) Der Advokat des Teufels?

“Dear Mr. Rosendahl: Thank you for contacting the U.S. Army Chaplain Museum. In answer to your inquiry, yes, I am familiar with Chaplain Gerecke. We are fortunate to have several artifacts from his Nuremberg ministry. (…)“It seems you might have found a nice item. It is not surprising to hear of the signed New Testament. Many of the defendants trusted and confided in Chaplain Gerecke. Marcia McManus, Director of the U.S. Army Chaplain Museum. Fort Jackson, SC”.

Diese Email bestätigte Radisoglous Verdacht: Die hochrangigsten Mitglieder der NSDAP

legten ihr Vertrauen in die Hände eines Priesters der amerikanischen Armee!

War war Henry F. Gerecke? Es ist wenig bekannt, ausser dem Folgenden: Gerecke wurde 1893 in Gordonville, Missouri geboren und wuchs zweisprachig (englisch und deutsch) auf (eine Tatsache, der er höchstwahrscheinlich seinen Auslandseinsatz bei den Nürnberger Prozessen zu verdanken hat). 1926 wurde er zum Priester geweiht. Er arbeitete als Priester in St. Louis, bis zu seiner Berufung nach Nürnberg, als geistliche Hilfe für die evangelischen Angeklagten. Nach seiner Rückkehr zog er nach Chester, Illinois, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1961 als Priester für die “John Lutheran Church” angestellt war. (Quelle: Don Stephens, War and Grace).

Gibt e seine Verbindung zwischen ihm und dem Neuen Testament? Es erscheint zumindest sehr wahrscheinlich. Leider starb Gerecke aber vor mehr als 40 Jahren, und auch seine Frau und Kinder sind nicht mehr am Leben. Und während das von Nazi-Kriegsverbrechern unterschriebene Neue Testament wohl die Runde der Antiquariate und Auktionshäuser machen wird, blieb von ihm nicht mehr als eine Fussnote in den Geschichtsbüchern.

Henry Gerecke hat uns jedoch eine Beschreibung seiner Zeit als geistliche Hilfe für die evangelischen Angeklagten der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse überliefert, und zwar in Form eines Artikels, den er für die “Saturday Evening Post” (1. September, 1951) unter dem Titel “I walked to the Gallows with the Nazi Chiefs” schrieb. Hier heisst es unter anderem:

“It is five years since I served my stretch in Nuremberg prison – as chief chaplain during the trials of the Nazi leaders by the International Military Tribunal and spiritual adviser to the fifteen Protestant defendants. My assistant, Catholic Chaplain Sixtus O’Connor, and I spent eleven months with the perpetrators of Word War II. We were the last to counsel with these men, and ten trips to the execution chamber. The world has never heard our story.”

Gerecke hatte guten Grund, diese Berufung zu verweigern: Wie er im Artikel erwähnt, wurden zwei seiner Söhne im Krieg verletzt und der dritte war kurz davor, in die amerikanische Armee einzutreten (S. 18). Trotz dieser Bedenken nimmt Gerecke. Er schafft es, fast alle Angeklagten zum Sonntagsgebet und zur Kommunion zu bringen. Sein Artikel beinhaltet sogar ein Foto, das Baldur von Schirach bei der Kommunion zeigt: In anderen Worten nahm der ehemalige Reichsjugendführer, der die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend zur Pflicht machte und für die Indoktrinierung der NS-Jugend verantwortlich wahr, eine ganz andere Wahrheit auf sich, als er die Todesstrafe zu befürchten hatte. (von Schirach wurde zu 20 Jahre Gefängnis verurteilt. In einer weiteren historischen Fügung besuchte der Enkel dieses überzeugten Antisemiten das Luitpold-Gymnasium in München, welches den höchsten Anteil jüdischer Schüler in München und einer der höchsten in Deutschland hat)

So fallen Gereckes Bekehrungsversuche nicht nur auf fruchtbaren Boden, sondern er findet heraus, dass einige der Angeklagten sich gar als religiöse Christen entpuppen:

“Former Field Marshal Keitel, Hitler’s pet general, was also deep in a book when I entered. (…) I asked what he was reading. He all but knocked me speechless by replying, ‘My Bible’. (…) Keitel said he had carried his Bible through both World Wars and in between (…).” (ibid., S. 19)

Ist das der Beweis? Meint Gerecke damit das selbe Neue Testament, das 60 Jahre später bei einem jüdischen Antiquar in Los Angeles auftaucht? War gar Keitel der Initiator der “Autogrammaktion”? Es ist möglich. Sicher ist aber, das die Angeklagten einen neuen, spirituellen, Führer hatten, der den alten Führer, dann bereits tot, ersetzte. Vielleicht überascht es da nicht, dass Keitel, ein langjähriger Hitler-Loyalist, so starkes Vertrauen in Gerecke setzt.

Diese Verbindung zwischen den NS-Kriegsverbrechern und dem Priester der amerikanischen Armee ist so stark, dass, als es Gerüchte gibt, dass Gerecke nach Hause zurück geschickt werden soll (Frühling 1946), die Angeklagten seiner Frau einen Brief schrieben, wo sie sie bitten, ihren Mann in Nürnberg bleiben zu lassen. Gerecke meint dazu folgendes:

“The letter, sent through the regular prison censorship, had been signed by all twenty-one defendants. Hitler’s strong boys, who had scourged Christianity and broken the Ten Commandments more than any scoundrel in history, were beseeching an American housewife for the spiritual counsel of a pastor of the Lutheran Church, Missoury, Synod!” (ibid., p. 57) Gerecke bleibt.

7) Reue?

Henry Gerecke ging wirklich mit den Nazi-Kriegsverbrechern bis zum Galgen. Er war von ihrer Reue überzeugt:

“I particularly want to emphasize that, when stripped of all they had held important, and when offered the eternal verities, most of the twenty-one defendants were able to come to their moral senses and repent.” (ibid., p. 18)

Zeigten sie wirklich Reue? Kurz vor dem Tode wird auch der schlimmste Verbrecher fromm, wie es scheint. Der Tod, und die Angst davor, ist unzweifelhaft das Geburtsbett der Religion. In der Auffassung des Autors dieses Artikels steckte aber noch ein tieferer Grund dahinter: Der Einsturz der eigenen Ideologie. Die besiegte Wehrmacht war ein gutes Zeichen dafür, dass die arische Rasse wohl doch nicht die stärkste gewesen sein konnte. Und der angebetene Führer, der Messias der Nazi-Religion, auf dessen Leben die Soldaten eingeschworen worden? Tot, durch seine eigene Kugel. Propagandaminister Goebbels wollte auf einmal nicht mehr den totalen Krieg, wie damals im Sportpalast, sondern den totalen Frieden, für sich, seine Frau und seine sechs Kinder, die eine Welt ohne Nationalsozialismus nicht erleben sollten. Das tausendjährige Reich lag nach nur 12 Jahren in Schutt und Asche. Vom Nationalsozialismus blieb nicht viel übrig, was selbst hochrangige NS-Funktionäre hätten glauben können. Und just in diesem Moment spazierte Henry Gerecke durch die Tür…

Und hier geht die Reise zu Ende, sowhl die Suche nach den Ursprüngen des ungewöhnlichen Neuen Testaments als auch die der beteiligten Personen. Oder, in Gereckes Worten:

“Thus died eleven men of intelligence and ability, who, differently influenced, could have been (…) a blessing to the world instead of a curse.”


Bildquelle: Benjamin Rosendahl

 
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