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Erkan Grantlhuber - Brief aus Bayern Nr. 13
Geschrieben von: Erkan Grantlhuber   
Dienstag, den 12. Juli 2011 um 14:30 Uhr

Erkan Grantlhuber Erkan Grantlhuber

Nicht schade, dass Olympia „beim Teifi“ ist

München wird nicht wieder Olympiastadt, jedenfalls nicht 2018. Damit ist der Sieg erst einmal verspielt, die erste Stadt zu werden, die Sommer- und Winterspiele zu Gast hat.
Ist das schade?

Das fragen sich die Münchner. Das fragt auch Mary am Frühstückstisch.

Überhaupt nicht, sagt Erkan, der alte Grantlhuber. Man braucht sich nur anzuschauen, wer hinter dem Sieg Pyeongchangs steckt. Leute wie Lee Kun Hee, der Boss von Samsung, einer der korruptesten Südkoreaner. Was etwas heißen will. Er sitzt nur deshalb im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und nicht im Gefängnis, weil seine politischen Freunde wieder an die Macht gekommen sind, bevor er seine drei Jahre Haft antreten hätte müssen, zu denen er 2009 verurteilt wurde.

Wenn sich eine Mehrheit des IOC von so einem kaufen lässt – und nichts anderes ist wahrscheinlich passiert – heißt das nur, dass die Olympia-Idee pervertiert ist bis zum Geht-nicht-mehr. Auf Olympia pervers aber kann München genauso verzichten wie Garmisch-Partenkirchen, meint der Grantlhuber. Und die Mary stimmt ihm ausnahmsweise zu.

Heitere Spiele wären das sowieso nicht geworden. Und noch einmal traurige Spiele, wie 1972, als 17 Sportler, Funktionäre und Terroristen im Kugelhagel von Polizisten starben? Nicht gut für München, meint Erkan, und nicht gut für Bayern. Auch wenn München 2018 nicht wegen neuer Terroranschläge traurig geworden wäre, sondern weil eine Idee kaputt ist: die Idee vom neuen Olympia.

Die hat übrigens Mitte des 19. Jahrhunderts ein Bayer nach Griechenland gebracht: König Otto I. aus dem Hause Wittelsbach. Bloß haben ihn die untereinander zerstrittenen griechischen Klans 1862 gestürzt, so dass die ersten Spiele der Neuzeit erst 1896 in Athen stattfanden. Denen hatte der Bayer zu viel staatliche Ordnung in ihr lukratives anarchisches Durcheinander gebracht. Immerhin diskutiert das Athener Parlament noch heute im Bau zweier bayerischer Architekten von damals: Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner. Die hatte Otto aus München mitgebracht.

Ein spätes Kind des romantischen Idealismus waren die neuen Olympischen Spiele. Viel sauberer, idealistischer, amateurhafter als alle Olympiaden der Antike. Vor 2500 Jahren nämlich wurde auch bestochen und gedopt, was das Zeug hielt. Und Olympioniken waren keine Amateure, sondern harte Profis. Wer siegte, hatte ausgesorgt. Einziger Unterschied zu Olympia 2010 oder 2018: das Spektakel fand immer am selben Platz statt, in Olympia, einem Nest, das heute Archea Olymbia heißt.

Die Olympiaden der Neuzeit sollten alles besser machen: Keine Nationenkämpfe, sondern Spiele, für die sich jeweils eine Stadt die Ehre gibt; Wettbewerbe für die Jugend der Welt, ohne Ansehen von Herkunft und Reichtum oder Armut. Das war die Theorie. Die Praxis ist ihr nach Athen noch ein paar Jahrzehnte gefolgt, wenn auch hinkend. Aber keine 100 Jahre. Schon 1980 gab es auch in Moskau traurige Spiele, als 64 Staaten das Fest boykottierten, weil die Sowjets im Jahr zuvor Afghanistan besetzt hatten.

Chaos und Kosmos sind zwei Begriffe, die die Griechen erfunden haben, erinnert sich der Erkan Grantlhuber an das, was er im Gymnasium gelernt hat. Kosmos ist die Ordnung der Welt, wenn Harmonie herrscht. Chaos, das ist, wenn einer alles durcheinander schmeißt, ein Dämon zum Beispiel, der mit Geld wirft und damit besser trifft als alle Vernünftigen mit ihren Argumenten. Dass die Olympiade 2018 „beim Teifi“ (zum Teufel) ist, wie man in Bayern sagt – hat so gesehen eine schöne Mehrdeutigkeit, findet

der Erkan Grantlhuber

 
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