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Ferdinand von Schill
Aus: Sammlung von Anekdoten und Charakterzügen auch Relationen von Schlachten und Gefechten aus den merkwürdigen Kriegen in Süd- und Nord-Deutschland in den Jahren 1805 bis 1809. 26tes Heft. 1810
Schill rückte am 13. Mai über Stendal mit ungefähr 2.500 Mann Kavallerie in die kleine mecklenburgische Festung Dömitz ein, deren Einwohner, das ihnen bevorstehende Schicksal ahnend, in ein nicht geringes Schrecken gesetzt wurden. Er veranstaltete sogleich ein Aufgebot von mehreren 100 Arbeitern, warf Verschanzungen auf und indem er wähnte, nur von einer geringen Anzahl holländischer Truppen, mit denen er bei Magdeburg ein Gefecht bestanden hatte und woraus er siegreich hervorgegangen war, verfolgt zu werden, sandte er einzelne Detaschements in die Städte und Ämter Mecklenburgs, welche sämmtliche herrschaftliche Kassen gegen eine Empfangsbescheinigung des kommandierenden Offiziers abfordern mussten. Unterdessen gewann Dömitz das Ansehen einer eine förmlichen Belagerung erwartenden Festung und indem Schill selbst mit einer andern Abteilung seiner Mannschaft auf Schwerin losging, sah sich der Herzog von Mecklenburg genötigt, seine Residenz zu verlassen.
Schill suchte ihn von seiner Flucht abzuhalten, indem er ihn zu einer Unterredung einlud, die aber abgeschlagen wurde. Der Herzog sandte indessen einen Expressen an ihn ab, um über die etwannigen Befugnisse und seine nähere Absicht der Okkupation der mecklenburgischen Lande, Erkundigungen einzuziehen. Es erfolgte die Antwort: die Befugnis Länder zu okkupieren hätte er in der bekannten Proklamation genügend ausgedrückt, er bilde übrigens eine unabhängige Macht und seine Absicht sei gar nicht, die persönliche Sicherheit irgend eines deutschen Fürsten zu bedrohen.
Plötzlich erschienen die holländisch-westphälischen Truppen an der Elbe, die indessen nicht so schwach waren, als Schill sie beschrieben hatte. Der größte Teil seiner Mannschaft war indessen auf diese Nachricht, schon aus Dömitz abmarschiert und ihm nach Wismar gefolgt, von da er mit schnellen Schritten Rostock zueilte, um nicht von den über Lübeck anrückenden dänischen Truppen abgeschnitten zu werden; nur 150 Mann waren daselbst zurück geblieben, die aber auch, nachdem das Bombardement der Holländer eine Stunde gedauert hatte, Rostock zu erreichen suchten; Einige von ihnen sollen indessen von den nacheilenden Holländern eingeholt und zu Gefangenen gemacht worden sein; nicht aber 6 bis 700 Mann, wie öffentliche Blätter unrichtig angeben.
Rostock konnte der Besuch der Schillschen Mannschaft, nachdem man die Vorfälle bei Dömitz erfahren, nicht unerwartet kommen; die Tore wurden verschlossen gehalten und es schien, als ob man die Stadt, die fast ganz ohne Besatzung war, einer Erstürmung aussetzen wollte. Am 20. Mai erschien ein Parlamentär von Schill in der Person eines Grafen von. Moltke, eines gebornen Mecklenburgers und forderte eingelassen, zu werden. Er wurde zum Gouverneur geführt, mit dem er die Bedingungen der Übergabe verabredete. Die Tore wurden wieder geöffnet und man sah 150 Mann von dem Schillschen Corps einrücken, die sich aber zur größten Verwunderung der Einwohner in 2 Tagen bis auf 4.000 Mann vermehrten. Fünf und vierzig Kauffarteischiffe wurden zur Einschiffung in Requisition gesetzt, 300 Ochsen mussten vom Lande geschafft werden; geschlachtet, eingesalzen und auf die Schiffe gebracht, war das Werk eines halben Tages. Schill schickte einen Kurier an die von Rostock ungefähr 10 Meilen entfernt liegende englische Flotte und gab sich das Ansehen, mit derselben in der engsten Verbindung zu stehen. Am 26. sollte die Einschiffung der Gruppen geschehen, allein mitten in der Nacht vom 25sten auf den 26sten brachen sie sämtlich in der größten Eile auf, und erst spät am Morgen erfuhr Man, dass sie an die schwedisch-pommersche Grenze dem gegen sie heranrückenden mecklenburgischen Corps von etwa 6 bis 700 Mann, entgegen gegangen waren. Hier gehen sie an zwei verschiedenen Stellen über die Pene, bringen die Mecklenburger zwischen zwei Feuer und nehmen sie nach einem ziemlich hartnäckigen Gefecht gefangen. Schill kam nach erfochtenem Siege am 26. des Abends mit dem größten Teil seiner Mannschaft nach Rostock zurück, während er durch den Rest Stralsund besetzen ließ. Von der Einschiffung schien nicht weiter die Rede zu sein, bis mit einmal die Nachricht von dem 7 bis 8.000 Mann stark herzueilenden holländischen Corps Furcht und Schrecken verbreitete und den entworfenen Plan wieder in Anregung brachte.
Nur ungefähr 13 bis 14 Schiffe konnten in der Eile bemannet werden; mit der übrigen Mannschaft ging Schill eiligst nach Stralsund, wo er bekanntlich seine Laufbahn endigte.
Trotz der Berichte mehrerer Zeitungsschreiber und Journalisten von dem üblen Betragen Schills und seiner Anhänger, kann ich doch als Augenzeuge das Gegenteil von dem behaupten, was sie in dieser Hinsicht über ihn verbreitet haben. Die Subordination unter seinem Corps war bewundernswürdig und ich erinnere mich nicht in Rostock, wo doch mehrere Tage 4.000 Mann einquartiert waren, von einer einzigen Unordnung gehört zu haben; auch an allen andern Orten wurde ihm dieses Lob erteilt.
Schills Benehmen gegen seine Untergebenen grenzte an Vertraulichkeit, und hierin ist vorzüglich der Grund zu suchen, wie er sich der Herzen und Gemüter zu bemächtigen gewusst hatte. Sie sprachen alle mit einer Art von Achtung und Ehrfurcht von ihm, die ein unbedingtes Vertrauen auf sein militärisches Talent ausdrückte und durch das scheinbare Gelingen ihrer bisherigen Unternehmungen exaltiert, sahen sie Schill schon auf Einen der Throne Deutschlands erhoben, wo sie ihn einst, als die Ersten des Reichs, zu umgeben hofften.
Ich komme nun auf die Wirkung, die Schills Anwesenheit in politischer Hinsicht auf die Bewohner Mecklenburgs machte. Unruhen, Insubordination, Lossagung und Verachtung der Gesetze gehört gewiss in Mecklenburg zu den seltensten Erscheinungen. Mit einem Sinn, der allem Guten und Heiligen offen ist, verbindet dies Völkchen eine treue und feste Anhänglichkeit an die Gesetze und ihren guten Fürsten, und dies hat sich in den letzten traurigen Zeiten, auf das deutlichste ausgesprochen. Jede Gewalttätigkeit, jede tätige Äußerung, eine Änderung der Dinge zu bewirken, blieb von ihnen entfernt. Hier hörte man nichts von niedergesetzten Militärkommissionen, von Unruhestiftern, die arquebusirt oder in Ketten geschmiedet worden waren; sie harrten ruhig in stiller Ergebung einer bessern Zukunft, und sie wurden nicht getäuscht. Schills Plan fand bei ihnen nicht den geringsten Eingang.
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