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Die klimatischen Verhältnisse in Mecklenburg

 

Aus: Das medizinische Mecklenburg. Notizen, gesammelt auf einer Reise im Winter 1855 —1856. Von Hofrat Dr. L. Spengler. Erlangen, 1858.

 

Die klimatischen und meteorologischen Verhältnisse sind noch lange nicht gehörig untersucht. Übrigens wird jetzt demnach dafür Sorge getragen. Für Mecklenburg ist nämlich ein statistisches Bureau in Schwerin errichtet; die Bedeutung dieser Errichtung ist klar, und besonders die große Wichtigkeit derselben durch die statistischen Kongresse zu Brüssel und Paris erwiesen.

Für die Gesundheitspflege, die medizinische Polizei, die Epidemio- und Endemiologie sind dergleichen Bureaus absolut notwendig, denn nur aus einer solchen Erforschung wird eine medizinische Statistik möglich werden, die ein so dringendes Bedürfnis für unsre Zeit ist. Es wird dadurch ein wertvolles Material für die Krankheits-Aetiologie herbeigeschafft. Eine Zusammenstellung aller auf Lufttemperatur, Luftdruck, feuchte Niederschläge, Winde u. s. w. Bezug habenden Beobachtungen mit den Morbilitäts- und Mortalitätstabellen muss zu lehrreichen Resultaten führen.

 

Ganz besondere Aufmerksamkeit muss der Arzt der Erforschung der klimatischen Verhältnisse eines Landes widmen, ohne welche eine Menge von Tatsachen unverständlich bleiben, und ohne deren Kenntnis eine Menge von Aufgaben für den Arzt zur Illusion werden. Es hat daher das Mecklenburgische statistische Bureau in richtigem Verständnis seines Zwecks auf die Erforschung der klimatischen Verhältnisse des Landes ein besonderes Gewicht gelegt; und es sorgt dafür, dass die Wärme der Luft und des Bodens, der Druck der Luft, die Richtung und Stöße der Winde, der Feuchtigkeitszustand der Atmosphäre, die Häufigkeit und das Quantum der wässerigen Niederschläge, die Größe der Verdampfung der Gewässer, die Zeit des Blühens und des Reifens der wichtigsten Pflanzen u. dgl. mehr regelmäßig verzeichnet werden. Es sind dies Alles Dinge, die in Beziehung auf die Bevölkerungs-, Erwerbs- und Gesundheitsverhältnisse des Staats den größten Einfluss haben. Wir begrüßen daher dieses Institut als einen großen Fortschritt, um den andre Staaten Mecklenburg beneiden müssen. Es sind in diesem Lande eine Menge meteorologischer Stationen errichtet worden, die ganz nach dem Muster der preußischen eingerichtet sind, die unter Doves Leitung schon so Ausgezeichnetes geleistet haben. Es sind im Jahr 1852 an 7 Orten meteorologische Stationen errichtet, was gewiss für Mecklenburg bedeutend genug ist im Vergleich zu den 36 derartigen Stationen in Preußen. Erst im Jahr 1856 sind 3 meteorologische Stationen in Oldenburg und 6 in Hannover errichtet worden. — Schon im Jahr 1853 aber haben die Einrichtungen in Mecklenburg wesentliche Verbesserungen erfahren, so dass dieselben jetzt als wesentlich vollendet anzusehen sind. Es sind jetzt meteorologische Stationen errichtet zu Schönberg, Kirchdorf, Wismar, Doberan, Rostock, Wustrow, Hagenow, Schwerin, Goldberg, Zarcklin, Sülz, Hinsichshagen, somit in Summa 12. Da diese Beobachtungen erst seit ein Paar Jahren angestellt sind, so lässt sich für den Moment daraus auch kein großes Resultat berechnen. Es müssen dieselben beharrlich fortgesetzt werden; aber schon sind bis jetzt die gemachten Erfahrungen hinreichend, ihren Wert für immer festzustellen, und zur sorgsamsten Weiterführung aufzufordern. Die Instrumente an diesen Stationen sind von Greiner in Berlin, und bestehen in 1) einem Heberbarometer, 2) einem Psychrometer, 3) einem Psychrotermometer, 4) einem Termometer, 5) einem Maximum- und Minimumtermometer, 6) einem Regenmesser, 7) einem Erdtermometer, 8) einer Windfahne. Das statistische Bureau hat bereitwillige Unterstützung bei Anstalten und Privaten gefunden, und die Resultate werden in dem „Archiv für Bodenkunde in den Großherzogtümern Mecklenburg“ veröffentlicht.

 

 
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